Januar  2018   Äthiopien  -   Dschibuti


Donnerstag den 11.01. und Freitag den 12.01.2018

Der lang ersehnte Tag ist da und ich bin froh dem trüben Wetter zu entfliehen. Um 15:00 Uhr ist so weit, das Rad ist sicher im Karton (167x93x25) verpackt und die Radtaschen sind in zwei Seesäcken verstaut. Meine Schwester Angelika fährt mich zum Flughafen Düsseldorf. Drei Stunden vorher sollte man am Check-in sein. Heute hätten anderthalb Stunden auch gereicht da nichts los ist am Abfertigungsschalter.

Nach dem Motto und um es mit den Worten von Johann Wolfgang von Goethe zu sagen “ Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen“ geht es wieder in mehrere fremde Länder

Den Kegelkönig konnte ich beim letzten Kegel erobern und ist auch dieses Jahr mit von der Partie.

Nach dem ich noch den Fahrradtransport bezahlt habe (100,-€) trinken wir noch einen Kaffee zusammen und verabschieden uns. 18:20Uhr ist Boarding Time und um neunzehn Uhr hebt die A320 der Lufthansa ab, um genau nach einer halben Stunde Flugzeit in Frankfurt am Main zu landen. Hier ist noch Zeit um ein Paar Frankfurter mit Kartoffelsalat und ein dunkles Hefeweizen zu genießen. Der Flug mit dem Airbus 350 Frankfurt/ Addis Abeba (5406 Km Luftlinie) startet um 21:30Uhr pünktlich. Der Flug verläuft ohne Turbulenzen und nach sechseinhalb Stunden Flugzeit setzt der Pilot der Ethiopian Airlines die Maschine sicher auf die Landebahn der Hauptstadt Addie Ababa. Ortszeit ist sechs Uhr morgens, zwei Stunden vor der deutschen Zeit. Drei Stunden später verlasse ich den Airport und mache mich auf die Such nach einer Unterkunft in der Altstadt.

Addis Abeba begrüßt seine Besucher

Es fällt mir schwer mit dem bepacken Rad zu fahren. Die Stadt liegt auf 2500m über dem Meeresspiegel die Luft ist dünn und die alten Autos blasen mir die schwarzen Rußwolken ins Gesicht. Ich glaube die Äthiopier lachen sich kaputt über unseren Diesel Skandal und können das nicht nachvollziehen. Nach acht Kilometer finde ich das Ankober Guesthouse das ich mir im Internet herausgesucht habe. Hier nehme ich mir ein Zimmer mit Bad für die nächsten drei Tage (17,-€ pro Nacht) Nach dem ich mich ein wenig häuslich eingerichtet habe mache ich ein Mittagsschläfchen, denn ich kann merken das ich kaum schlafen konnte im Flieger. Am Nachmittag suche ich eine Bank auf um mich mit der Visa Card mit Bargeld in Landeswährung Birr einzudecken. Ein Euro =32,53 Birr. Am Flughafen und auch vor der Bank spuckte der ATM kein Geld aus. Für Reisen in solche Länder ist es immer ratsam noch genügend Bargeld in Euro und US Dollar dabei zu haben.

Im Houswaer Mart bekomme ich auch preiswert Gaseinstechpatronen so dass ich mir schon beim schreiben diese Zeilen einen Kaffee aufbrühen kann. In einer Pizzeria habe ich zu Abend gegessen, Minestrone, Pizza Oriental und zwei Biere was mich 246,10 Birr (ca. 7,50€) gekostet hat.

Neues Land neues Bier

Nach dem ich den Artikel geschrieben habe lege ich mich aufs Ohr in der Gewissheit das ich schon die wichtigsten Dinge erledigt habe.



Samstag den 13.01.

Den ersten Reisebericht konnte ich gestern noch an meinen Sohn Ingo senden aber für die Bilder war das Internet im Guest House zu schwach. Als ich um zwei Uhr in der Nacht wach werde ist die Leitung frei und ich kann die Bilder abschicken.

Die Sonne am azurblauen Himmel weckt mich um zehn Uhr. Der lange Schlaf hat mir gutgetan und nach einem kleinen Frühstück auf dem Zimmer unternehme ich einen Spaziergang zur St. Georgs Kathedrale.

Die Kirche wurde 1906 errichtet. Alle Kaiserkrönungen fanden seitdem hier statt.

Gläubige beten an der Kathedrale

Nach dem ich die Stille des Parks, der rund um das Gotteshaus sich befindet, auf einer schattigen Bank genossen habe, stürze ich mich wieder in das quirlige Treiben der Millionenstadt.

Die Churchill Road eine der Hauptverkehrsadern welche die Stadt durchziehen.

Auf dem Rückweg zur Pension, ich kaufe gerade an einem Obststand ein paar Avocados ein, da lerne ich Addis kennen. Er ist Student und in seiner freien Zeit arbeitet er als Guide und finanziert damit sein Studium. Wir verabreden uns für 15:00 Uhr und er will mir den Mercator zeigen. Mit dem Taxi fahren wir zum größten Markt auf Afrikanischen Boden. Ich habe schon so einige Märkte und Basare auf der Welt gesehen, aber dieser ist was ganz Besonderes. Das unglaublich ausgedehnte Gelände aus Ladenstraßen und Ständen, bietet fast alles was für Geld käuflich ist. Am meisten haben mich die Straßen beeindruckt wo Recycling betrieben wird.

Hier wird Alteisen wiederaufgearbeitet.

In der nächsten Straße werden aus alten Teer oder Ölfässern Gebrauchsgegenstände wie Öfen oder Feuerschalen hergestellt. Auch gebrauchte Farbeimer, Büchsen, und Glasflaschen werden gereinigt und wiederverwendet.

Hier wird Plastik in allen Größen, Formen und Farben gereinigt und weiterverarbeitet.

Ganze Straßenzüge wo es nur Gewürze oder Obst und Gemüse angeboten wird. Leder oder Korbwaren werden auf der nächsten Ladenstraße feilgeboten. Die exotischen Gerüche, die Stimmen der Händler und das bunte Treiben auf dem Merkato ist ein ganz besonderes Erlebnis für mich.  An einem traditionellen Kaffeestand legen wir eine Pause ein.

Die Kaffeebohnen werden frisch geröstet zerstoßen und frisch aufgebrüht.

Einfach köstlich der Kaffee

Auf dem Rückweg erstehe ich noch eine Äthiopische Sim Card zum Surfen und Telefonieren.  Meinen Guide Addis lade ich zum Essen ein. In einem Äthiopischen Speiselokal wo man die würzigen und schmackhaften Speisen mit den Fingern isst, lassen wir den interessanten Nachmittag ausklingen. Um 19:00 Uhr bin ich wieder im Ankober Guest House. Zuvor habe ich mich noch mit Addis für Morgen um neun Uhr zu einem Ausflug auf den Berg Entoto verabredet.



Sonntag den 14.01.2018

Addis steht wie versprochen um neun Uhr an der Rezeption. Der Bergzug Entoto ist ca. 20 Km vom Guesthouse entfernt und so nehmen wir uns ein Taxi. Die Fahrt geht über die Adwa Avenue zur King Georg VI. Street und zur Stadt hinaus. Vorbei am Goethe Institut an mehreren Obelisken. Auf dem Amist Kilo (Fünf-Straßen-Platz) erinnert ein Denkmal an die von den italienischen Faschisten am 19.Februar 1937 hingerichteten Äthiopier. Allein in Addis Abeba wurden 30.000 Menschen, besonders Angehörige der Intelligenz bestialisch umgebracht. Weiter geht es an der, wie eine Festung wirkende, Amerikanischen Botschaft vorbei. Nun schlängelt sich die Straße steil den mit Eukalyptusbäumen bewachsenen Berg hoch. Auf dem Gipfelplateau bei 3450m ü NN. wartet der Fahrer auf uns und wir betreten das ENTOTO ST.MARY E / MINILIK & TAIT´S MEMORIAL. durch die Eingangspforte.

Die Kirche ist in einer für das Land außergewöhnlichen achteckigen Form erbaut.

Hinter der Kirche am Hang gelegen, besichtigen wir den ehemaligen Palast des Kaisers Menelik II. und sein Gästehaus.

Im Vordergrund das Gästehaus

Der Palast von der Rückseite

Mit dem Bau des Palastes wurde im Jahr 1882 begonnen. Er wirkt auf mich wie ein großer Bauernhof. Auf Bildern und an Hand von Gegenständen, die wir uns in dem kleinen Museum am Eingang anschauen, ist die Pracht die am Hofe herrschte, noch zu erahnen.

Anschließen machen wir uns auf den Heimweg. Von einem Aussichtspunkt mache ich ein Bild von der, unter einer Dunstglocke liegenden Stadt.

Addis Abeba, auch die neue Blume genannt.

Ein Selfie mit Addis

Gegen zwölf  Uhr verabschiede ich mich von Addis. Ich kaufe noch ein paar Lebensmittel ein, Obst Marmelade, Honig, Kaffee und Schmierkäse. Nach dem Mittagessen verbringe den Nachmittag mit Lesen auf dem gemütlichen Innenhof des Gasthauses.



Montag den 15.01.18  Start der Etappe I. durch Äthiopien

Die drei Tage Eingewöhnungszeit haben mir gutgetan. Auch nach ca. 80 Länder, die ich schon bereist habe, ist erst mal alles neu. Die Sprache und Gestik, das Essen, die Währung, das Klima und die Religion. Doch das wichtigste ist, die Mentalität der Menschen zu erspüren umso besser klappt dann das Miteinander.

Am Morgen um acht Uhr mache ich noch ein Foto am Guesthouse und trete in die Pedale. Der Himmel ist blau und das Thermometer zeigt 10 Grad.

Die Unterkunft, war für Addis Preiswert und gut.

Mein Navi habe ich eingestellt und die Software die Ingo mir aufgespielt funktionier einwandfrei. Man fährt am sichersten und bequemsten nach Navi und kommt stressfrei durch so eine Mega City.

Zweimal deutsche Wertarbeit. Der Käfer und mein Norwid läuft und läuft und läuft und läuft…………….

Bei Akaki komme ich auf die Landstraße Nr.4 die viele ausgesetzte Stellen hat und es mächtig staubt. Mein Dress besteht heute aus einer Radler Unterhose, lange Hose, T-Shirt langärmelig, Socken und hohe Radschuhe. Radhandschuhe, Mütze und Radbrille sind zwingend nötig denn die Sonneneinstrahlung ist enorm. Die erste Tee Pause dieser Tour mache ich um 11:35 nach fünfundfünfzig gefahrenen Kilometer, kurz vor der Stadt Debre. Jetzt sind es schon 25 Grad im Schatten.

Weiter geht die Fahrt durch eine trockene Hügellandschaft wo ein paar große Schirmakazien noch Schatten spenden. Jetzt frischt der Wind auf und bläst mir den Staub der Straße ins Gesicht. Um 16:00 Uhr beende ich den ersten Rad Tag in der Stadt Adama. Das erste Hotel das ich ansteure ist goldrichtig. Ebenerdiges großes Zimmer wo mein Gefährt mit hinein passt.

Schönes Zimmer im Hotel Rasadama für umgerechnet 9€ da kann man nicht meckern.

Tagesdaten: 103 Km / 7 Std Fahrzeit / 525m Anstieg / 1380m Abstieg /



Dienstag den 16.01.
Auch für die Weltreise Teil IV. werde ich wieder von Werner Sasse (Photo Porst in Ratingen) bestens unterstützt. Dieses Jahr habe ich von meinem Lieblings Schwager Werner noch einen Grippalen Infekt mit auf die Reise bekommen. Am Morgen fühle ich mich gerädert, habe die halbe Nacht mir die Seele aus dem Leib gehustet. Nach dem Frühstück fühle ich mich besser und starte in den neuen Rad Tag, der noch so einige Überraschungen für mich bereit hält. Im Rückblick ist mir der Navigationsfehler schon am Ortsausgang von Adama passiert. Dort steht ein Wegweiser nach Harer für Radfahrer gesperrt. Also biege ich rechts ab, was auch das Navi mir bestätigt.

Noch durchzieht die Hügellandschaft ein schwarzes Asphaltband

Als  nach 26 Km die Teerstraße an einem Resort endet, das Garmin mich links auf die Piste schickt, spätestens da hätte ich umkehren sollen. Da das Umkehren noch nie so mein Ding war fahre ich weiter. Et hät noch immer jot je jange

Jetzt ist Staub und Sonnenschutz angesagt. Ich habe schon von Gestern Sonnenbrand auf Händen und Ohren.

Ich bin aber nicht das einzige Kamel auf der Piste

Irgendwann zeigt das Navigationsgerät nichts mehr an. Wenn ich nach dem Weg frage, steht direkt ein Pulk Männer und Kinder um mich herum. Meist zeigt jeder in eine andere Richtung. Die Karte von ganz Äthiopien gibt in dem großen Maßstab auch nichts her. Ein junger Lkw Fahrer nimmt mich mit bis ca. 10 Km vor Bomsa, wie er sagt.

Gepäck und Rad sind gut verstaut aber bevor wir losfahren laden die Beiden mich  noch zum Essen ein.

Nach 40 Km staubiger und holpriger Piste steige ich wieder auf mein Fahrrad, bedanke mich und gebe ihm ein gutes Trinkgeld. Langsam aber stetig steigt die Piste an und wird steiniger. Da passiert es ich Stürze auf Becken und Ellbogen der stark blutet. Als ich merke, dass nichts gebrochen ist bin ich heil froh. Mein linkes Schultergelenk scherzt auch, was ich erst später merke. Erst mal muss ich schieben, weil die Piste so schlecht ist. Die 10 Km die der Fahrer mir genannt hatte, ist schon Geschichte. Nach 20 Km kommt endlich das lang ersehnte Bomsa in Sicht.

Kurz vor dem heutigen Ziel

Den letzten Anstieg zum Ort hoch schieben zwei Halbstarke mein Rad hoch und bringen mich zu einer kleinen und schäbigen Pension. Ein Bett ein Stuhl ist das ganze Mobiliar.

60 Birr kostet das Zimmer. Nach einer kalten Dusche verbinde ich den Ellbogen. Ich bekomme noch ein Injera mit Fleisch und ein Bier. Danach schlüpfe ich in meinen Schlafsack und trotz lauter Musik schlafe ich schnell ein.



Mittwoch den 17.01.18
Schon der Gang zur morgendlichen Toilette lässt schlimmes ahnen. Man riecht sie schon von weitem.

„Im Bad und WC ist alles OK“

Nach dem Frühstück fahre ich zur Stadt hinein und spreche Genene Gedli an, wo die Piste zum Ort Mechara abgeht. Der Ort ist auf der Karte ca. 40 Km Luftlinie entfernt. Er spricht Englisch und sagt mir, dass diese Piste nur zu Fuß machbar ist und ich einen Umweg über Golelcha 105Km machen muss. Von dort wären es dann noch mal 50 Km. Dazu geht es hoch in die Berge. Das ist erst mal ein Schock für mich. Das ist in meinem jetzigen Zustand mit dem Rad nicht machbar. Er treibt für mich einen Geländewagen auf und mit Verhandlungsgeschick kann ich einen Preis von 500 Birr (ca.15€) aushandeln. 10:00 Uhr geht es los und es dauert nicht lange und die Piste steigt höher und immer höher.

Hoch zu Ross

Vom höchsten Punkt des Tages mit 3040mü NN, haben wir eine gigantische Aussicht. Gott sei Dank ist die Passstraße asphaltierte


Neben mir der Fahrer Johannes ein orthodoxer Christ und Ibrahim sein Beifahrer ein Moslem. Zusammen ein gutes Team. Um 14:00 Uhr erreichen wir unser Ziel, die Stadt Golelcha nach dem wir uns ein Zimmer im Gasthaus reserviert haben gehen wir Essen.

Eine Injera mit Gemüse, Reiskartoffel und Meat. Wir drei essen mit den Fingern der rechten Hand von einer Platte.
Um 16:00 Uhr hängt die Wäsche schon auf der Leine und ich kann die Berichte der letzten zwei Tage schreiben.

Tagesdaten: Aktuelle Höhe 14121m üNN 134Km / 4Std Fz. / 2951m Anstieg und 3179m Abstieg.



Donnerstag den 18.01.
Einiges von den Negativ Berichten die ich über Radreisen durch Äthiopien gehört und gelesen habe, werde ich heute schon am eigenen Leib erfahren. Kinder haben mit Steinen geworfen, ich wurde bedrängt und belästigt, man versuchte mir Geld aus der Hand zu reißen als ich bezahlen wollte. Vor einer Brücke wurde ich von drei mit Kalaschnikow bewaffneten Männern gestoppt die von mir Wege Zoll haben wollten, dass alles ein wenig zu viel für einen Tag und wenn man körperlich nicht gerade fit ist. Um 7:15 verabschiede ich mich von John & Ibrahim, die sich sehr gefreut haben das ich ihre Übernachtung bezahlt habe. Guten Mutes schwing mich auf mein Norwid und pedale los.

Unterwegs auf noch guter Piste

An Steigungen und in Kurven ist die Piste ausgefahren, mit tiefen Furchen und losem Geröll.

Nach langen Anstieg ein Blick zurück mit fantastischer Fernsicht

Nach 18 Km kann ich einen klapprigen Überlandbus stoppen, der mich bis ins nächste Dorf bringt.

Im Bus

Für die Zeit meiner Mitreise  sorge ich mit meinem kleinen Fotobuch über meine Weltreise für Kurzweile bei den Mitreisenden. Im nächsten Dorf muss ich aussteigen und möchte den Bus bezahlen. Direkt bin ich der Mittelpunkt einer Menschentraube. Einer versucht mir das Geld aus der Hand zu reißen. Ein Mann in Uniform versucht mir so viel Platz zu verschaffen das ich mein Rad beladen kann. Als ich losfahre, habe ich noch eine Meute Kinder und Jugendlich auf Mopeds hinter mir. Da es aber bergauf geht kann ich sie nicht abschütteln. Nach 5 Kilometer Spießruten fahren stoppt ein LKW und will mich bis kurz vor Mechara mitnehmen, wie er sagt.

Kurztrip mit Lkw

5 Km weiter stoppt er und muss links abbiegen, das war wohl nichts. An zwei Hütten am Straßenrand mache ich Pause, weil man mir sagt, dass bald ein Bus kommt. Mit den, von meiner Tochter Pamela selbst gemachten Müslikugel, kann ich wieder Kraft tanken.  Nach einer Stunde kommt auch tatsächlich ein Bus, aber er fährt einfach vorbei. Jetzt habe ich genug und pedale los wieder ein paar Kinder im Schlepptau. Auf einer Abfahrt kann ich sie abhängen da fliegen die ersten Steine, wovon mich einer am Rücken trifft. Kurz drauf habe ich wieder lärmende und mich mit immer den gleichen Fragen löchernden, Mopedfahrer neben mir. Dann kurz vor einer Brücke stoppen mich drei, mit Kalaschnikow bewaffnete Männer. Ich dürfte nicht hier fahren und solle umkehren meint der eine zu mir. Jetzt habe ich die faxen aber dicke, verlange seinen Namen und Dienstausweis. Der wird sichtlich nervös und telefoniert mehrfach. Da kommt auch wieder ein Bus der mich hätte mitnehmen können aber der weiterfahren muss. Einer der Umstehenden gibt mir zu verstehen, dass die nur Geld von mir erpressen wollen. Nun kommt wohl der Anführer der Truppe im weißen Geländefahrzeug und sprich mit mir. Ich zeige ihm meinen Pass mit dem Visum für Äthiopien und Djibouti und verlange, dass ich weiterfahren kann. Nach einer Weile ist der Spuk vorbei und ich kann weiterfahren. Auf der anderen Seite der Brücke versucht man wieder das gleich Spiel mit mir aber ich fahre einfach durch. Nach dem ich einen elenlangen Anstieg meist schiebend hinter mich gebracht habe kommt ein LKW. Ich sitze gerade am Rand der Piste und versuche Kräfte zu sammeln. Der Fahrer hat wohl das Häufchen Elend gesehen und stoppt den Truck. Auch wenn der LKW bis Oben mit Säcken beladen ist, nimmt er mich die letzten zehn Kilometer mit und bringt mich zu einem Hotel in Mechara.

Hooteelaa Abaata

Der Wirt ist nett und kümmert sich rührend um mich. Nach dem ich mein Zimmer bezogen und geduscht habe gehe ich zu ihm Essen. Die Kneipe ist brechend voll und das Bier läuft in Strömen. Ich bekomme sogar ein anderes Essen nach dem das Erste für mich einfach viel zu scharf und nicht essbar war. Da Morgen ein Feiertag ist buche ich für zwei Nächte.



Freitag den 19.01.18
In der Nacht habe ich kräftig abgehustet und ich schlafe bis neun Uhr in der Frühe. Als erstes suche ich in der erste Hilfetasche, die mein Leibarzt Volker Schmitz und Schwester Gabi für mich zusammengestellt haben, nach einem Medikament gegen meine Beschwerden und werde fündig. Nach Müsli und Kaffee schaue ich mir die Stadt an die mehr oder weniger an einer Straße liegt.

In Deutschland würde dieses Haus als Alternativ und nachhaltig bezeichnet werden. Hier ist es die traditionelle Lehmbauweise die gut isoliert, im Sommer wie im Winter denn hier befinde ich mich auf 1772m üNN.

In Ethiopia ist heute „ Timkat“ ein Feiertag zu Ehren Christis Taufe das aller Orts groß gefeiert wird.

Mitten drin die Priester und das Allerheiligste mit Brokattuch umwickelt  und gut beschirmt

Es zieht eine große Menge Gläubiger laut singend, klatschen und tanzend durch die Stadt. Auf mich macht es den Eindruck einer Mischung zwischen Fronleichnams Prozession und Karnevalumzug.

Schöne Trachten

Als ich zurück im Hotel bin bespreche ich mit dem Wirt Aynalem, der auch schon in China und Südafrika gearbeitet hat, die Einzelheiten meines Transports mit einem Wagen zur Stadt Asbe Teferi. Ich hoffe, dass alles so funktioniert dann wäre ich Morgen nach ca. 90 Km wieder auf meiner geplanten Route. Am Nachmittag ruhe ich und schreibe den Bericht von Gestern. Zum Abendbrot esse ich mir eine Injera mit Rindfleisch und trinke ein Bier dazu. Anschließend in meinem Zimmer schreibe ich den Bericht von Heute und packe schon mal das in die Radtaschen was ich nicht mehr benötige. Den Wecker habe ich für 6Uhr 30 gestellt.



Samstag den 20.01   Timkat Tag II.
Gut aus geschlafen bin ich am Morgen und gefühlt habe ich weniger husten müssen in der Nacht. Die Wunde am Ellbogen ist gut verkrustet und trocken und meinen linken Arm bekomme ich auch wieder hoch. Was mich noch stört ist der „Plack an Schnüss und Kinn“ weswegen ich mich nicht rasieren kann. Aber es gibt schlimmeres. Um acht Uhr meint der Wirt noch ein bis zwei Stunden kann es noch dauern mit dem Wagen. Ich leg mich noch mal aufs Bett und studiere den Reiseführer.

Mein Zimmer rechts davon die Dusche und Toiletten (Stehklo)

Um 12:00 wird das Zimmer gereinigt und ich bringe Rad und Gepäck bis zur Terrasse. Auch jetzt werde ich wieder auf heute Nachmittag oder Morgenfrüh vertröstet. Früher wäre ich spätestens jetzt wie ein HB Männchen an die Decke gegangen, aber aus meinen Reisen habe ich auch gelernt, dass es meist nichts bringt sich aufzuregen und nur auf Unverständnis stößt. Mit Gelassenheit und Humor erreicht man mehr.
Die Stadt ist voll Menschen und alle scheinen sich hier zu treffen. Das Hotel mit Gaststätte ist eine wahre Goldgrube. Ganze Familien mit Kind und Kegel kommen, setzen sich zu mir auf die Terrasse oder in den Garten und essen trinken und feiern ausgelassen.

Das Timkat-Fest  Tag II.

Natürlich werde ich ausgefragt und bei manchen gestaltet sich die Verständigung schwierig, es ist für mich ein anstrengender aber auch ein schöner und interessanter Nachmittag. Jeder will mir einen ausgeben mich zum Essen einladen. Ich bleibe bei Wasser da ich ja noch Tabletten einnehme, aber aus Höflichkeit esse ich etwas Rindfleisch und Fladenbrot mit.

Viele lassen sich mit mir vom örtlichen Fotograf ablichten der auch dieses Bild mit meiner Kamera macht.
Am Abend esse ich noch mal Meat, was anderes gibt es nicht und trinke St.Geoges Beer dazu. Jetzt hoffe ich auf Morgen das ich endlich wieder meine geplante Route bei der Stadt Asbe Teferi erreiche und dann wieder normal Radeln kann.



Sonntag den 21.01.
Um acht Uhr stehe ich mit Fahrrad und Gepäck in der Gaststätte. Ich besorge einen Wagen, der Wagen kommt in einer Stunde, das sind die Sprüche die ich mittlerweile so oft aus seinem Mund gehört habe.

Die Metzgerei gehört auch zum Hotel und Gaststätte

Es ist schon wieder zehn Uhr durch, da reißt bei mir der besagte Geduldsfaden und ich sage ihm eindeutig meine Meinung drehe mich um gehe und bepacke mein Rad.
Gerade bin ich los geradelt da stoppt ein Jeep von der Provinzverwaltung neben mir. Der Fahrer sagt er bringt mich gratis durch die Baustelle bis nach Teferi. Der Pickup ist schnell beladen und schon sind wir unterwegs. Die Straßen – Großbaustelle ist unbeschreiblich, riesige Berge von Sand und Schotter durchqueren wir und der 4x4 Jeep hat Mühe dadurch zu kommen bei den enormen Steigungen. Wie die normalen Busse das schaffen ist mir ein Rätsel. Im Ort Galemso bringt mich der Fahrer direkt zum  der nach Asbe Teferi fährt. Als ob er auf mich gewartet hätte, das Rad kommt aus Dach, das Gepäck in den Stauraum hinten und ich kann noch einen Platz auf dem Notsitz im proppe vollen Bus ergattern. Immer wieder hält der Bus an und es quetsBuschen sich noch Menschen hinein. Das Fahrzeug ist zu 200% überladen. Junge Leute stehen nicht von ihrem Sitzplatz auf, wenn eine alte gebrechlich Frau neben Ihnen steht. An der Straße von Mechara nach Asbe Teferi, die in meiner Karte als Asphaltiert eigetragen ist, wird immer noch gebaut, doch das letzte Stück ist schon geschottert.

Der heutige Pass hat eine Höhe von 2450müNN.

Nach drei qualvollen Stunden Busfahrt stoppt das Vehikel auf dem Busparkplatz von Asbe Teferi. Ich glaube mein Rad hat den Transport gut überstanden. Im Hotel International check ich ein, wasche unter der Dusche meine verdreckten Radtaschen ab und dann mich selber. Da sehe ich die Bisse meiner Bettgenossen der letzten beiden Tage im Spiegel.

Auf meiner linken Hüfte und Oberschenkel 24 Bisse

Der nette Sicherheitsbeamte von der Bank nebenan, geht mit mir Einkaufen. Zum Abendessen bestelle ich mir Spagettis, nach all dem Meat endlich ein leckeres Nudelgericht. Über Whats App kann ich meinem lieben Bescheid geben das es mir gut geht. Zum Verschicken einer E-Mail reicht das schwache Internet nicht aus.
Tagesdaten: mit Jeep und Bus 108 Km /  4Std Fahrzeit /1672m Anstieg /1603m Abstieg / Aktuelle Höhe 1755müNN.



Montag den 22.01.2018
Kurz vor acht Uhr rolle ich auf gutem Asphalt zur Stadt hinaus. Die Straße steigt schon bei den ersten Metern langsam aber stetig an. In einer Stunde habe ich 6,5 Kilometer Kletterarbeit hinter mir. 

Blick zurück

Immer noch spucke ich den restlichen Schleim aus meinen Lungen auf den Asphalt, aber Besserung ist in Sicht.

Das nächste Ziel Harar ist ausgeschildert

Nach der ersten Passhöhe 2280müNN lege ich Pause ein. Bei Tee, Brot mit Avocado und hart gekochten Eiern genieße ich den fantastischen Fernblick. Die Bauern der Gegend ziehen mit Ochsen, Schafen und Ziegen zum nächsten Dorf wo heute Viehmarkt ist. Nach vierundzwanzig Kilometer, um 13:20, erreiche ich Hirna und an eine Gaststätte mache ich Mittagspause.

Die Küche der Gaststätte

Während der Pause und auch später auf dem Weg zum nächsten Pass, überlege ich noch so wie ich die zwei Tage in Mechada rausholen kann. Nach noch einer strapaziösen Bustour steht mir nicht der Sinn. Gerade habe ich mal wieder lärmende und nervende Kinder verjagt da stoppt vor mir ein Pickup. Die beiden jungen Männer wollen von mir wissen woher ich komme und wohin ich will. So kommen wir ins Gespräch und als sie mich fragen ob sie mir helfen können, frage ich sie ob sie mich bis Kulubi mitnehmen können. Da sie nach Dire Dawa fahren liegt das auf dem Weg. Mein Rad und das Gepäck müssen sich den Platz mit einer Ziege auf der Ladefläche des Pickups teilen, ich habe es da deutlich besser. Der Fahrer Mehadi Mohammed und sein Freund Dr.Eskindit Osmaet der in der Diamanten Branche tätig ist, sind stolze Mitglieder vom Stamm der Oromos, der nach ihren Angaben nur in Äthiopien ca.50 Millionen Stammesangehörige zählt.

Kurz vor Kulubi stoppen wir am Calenko Martyrs Memorial Monument was sie mir zeigen wollen. Leider ist es geschlossen und wir begnügen uns mit einem Foto.

Meine beiden Helfer im Bild. Links Dr. Eskindit Osmaet vor dem Monument

In Kulubi angekommen bedanke ich mich bei den Beiden fürs mitnehmen, und ein Mann aus dem Ort hat die Order bekommen mich in eine gute Unterkunft zu bringen, wo ich endlich um 18:00 die Beine hochlegen kann. Das war ein erfolgreicher Tag heute.

Tagesdaten:   Aktuelle Höhe: 2398müNN.
Mit dem Rad:        53km  / 5:40 Std. Fz. / 1187m Anstieg /    840m Abstieg
Mit dem Pickup:   86 km in 1,5 Std Fahrzeit, 2000m Anstieg und 1785m Abstieg



Dienstag den 23.01
Um kurz nach sieben Uhr verlasse ich das Städtchen Kulubi. Überall brennen Feuer wo man den Müll verbrennt auch aus den Häusern steigt Qualm auf als wenn sie brennen würden.

Der Rauch hängt wie Nebel in den Tälern

Hier, wie man schon von weitem sieht, geht es gleich wieder mal 140m hoch. Es ist trotz der Tendenz nach unten ein munteres auf und ab. Ich habe hier in Äthiopien schon viele schwere Unfälle gesehen, von ausgebrannten Bussen, umgestürzten LKW und Frontalzusammenstoß zweier Kleinbusse, was nicht schön anzusehen war.

Das ist wohl der spektakulärste Unfall und schon fast wieder witzig.

Gegen Mittag erreiche ich " Die Weiße Stadt" Harar. Den Beinamen trägt die Stadt wegen ihrer weiß getünchten Häuser der Altstadt, die von einer geschlossenen Stadtmauer umgeben ist. Im Belayneh Hotel bekomme ich ein Zimmer im ersten Stock mit Blick auf die Altstadt. Nach dem ich gegessen habe, suche ich einen Telefon Shop. Abdul, ein junger Mann, kennt da einen der Besten in der Stadt, wie er sagt und er behält Recht. Der Mann hat wirklich Ahnung und die Simcard die ich schon in Adis Abeba erworben hatte, funktioniert jetzt. 100 ,-Birr aufgeladen und ich kann wenn Not am Mann ist telefonieren. Ich lade als kleines Dankeschön Abdul zum Essen ein. Das Internet funktioniert ganz kurz dann ist Funkstille.

Das Belayneh Hotel

Tagesdaten: 65Km / 5:10 Std Fz. / 588m Anstieg und 1128m Abstieg / Aktuelle Höhe 1863



Mittwoch den 24.01.
In der Nacht um 2.30Uhr habe ich auch keine Verbindung zum Internet bekommen. nach dem Frühstück mache ich mich auf die Suche nach einem Internet Cafe doch auch dort sagt man mir keine Verbindung. Ganz Harar ist betroffen. Am Vormittag unternehme ich einen Bummel durch die Altstadt die ich durch das Ras Tor betrete.

Das Ras Ber

In einem Laden erwerbe ich den gleichen ein Liter Wasserkocher wie ich ihn schon im vergangenen Jahr in Myanmar gekauft habe, jetzt bin ich unabhängig vom Gas. Auf dem Feres Megala Plaza gegenüber der Methana Alem Kirche (Erlöserkirche), nehme ich im erst Stock eines Cafe´s platz und lasse, bei einer Tasse Kaffee die Umgebung auf mich wirken.

Plaza Feres Megala  (der Pferdemarkt)

Mit Alem, der jungen hübchen Frau vom Nebentisch komme ich schnell ins Gespräch und die Zeit vergeht wie im Flug. Zur Mittagszeit verabschieden wir uns und ich spaziere durch die engen Gassen der Altstadt durch das Shoa Tor zurück zum Hotel.

Das Shoa Ber

Nachmittags ruft mein Sohn Ingo mich an und ich freue mich riesig mal wieder eine vertraute Stimme zu hören. Um noch ein paar Kleinigkeiten einzukaufen gehe ich noch in die Neustadt und den Tag lasse ich bei einem Abendessen im Hotelrestaurant ausklingen. ( Ein Reisgericht mit Soße und Gemüse dazu drei Bier 89,-Birr



Donnerstag den 25.01.
Für heute um neun Uhr habe ich mich noch mal mit Abdul verabredet der mir die Altstadt zeigen will.
Harar ist mit seinen 150,000 Einwohnern das Zentrum des äthiopischen Islam. Die Altstadt gehört zum Weltkulturerbe der Unesco und erschließt sich einem am besten wenn man sie zu Fuß durchstreift.

Die Gassen sind oft so eng und steil das man auch nur per Pedes durchkommt.

Die gute Stube

Wir besuchen ein Traditionelles Wohnhaus welches heute als Guesthouse dient.

Tür vom Innenhof zum Wohnraum                                   Eine der vielen Moscheen

Mehr als achtzig Moscheen in unterschiedlichen Größen sollen sich bis heute noch innerhalb der Mauern befinden.

Der Muslem Markt

Alles andere als weiß sind die Häuser in den verwinkelten Gassen .

Für den Besuch der faszinierenden und farbenfrohen Stadt, sollte der Betrachter ein wenig Zeit mitbringen.

Eines der acht Stadttore

Die Ummauerung der ca. ein Quadratkilometer großen Stadt stellt in Ostafrika eine Besonderheit dar. Ursprünglich besaß die Stadt sechs Tore, zwei weitere wurden nach der Eroberung Menelik II. angelegt.

Der Gewürzmarkt von Harar

Eine Symphonie aus Farben und Gerüchen empfängt den Besucher, der sich traut die oft nur mannsbreiten Wege durch die bis oben gefüllten Gewürzsäcke zu bahnen.

Morgen in der Frühe werde ich zurück bis Alem Maya pedalen um dann weiter in die drittgrößte Stadt Äthiopien Dire Dawa zu kommen. Ich hoffe dort endlich eine stabile Internet Verbindung zu bekommen.



Freitag den 26.01.

Gestern Nachmittag war eine kurze Zeit Internetempfang in der Stadt und so konnte ich den Text der Reiseberichte ab 16.01 - 25.01 inklusiv 17 Fotos versenden. Danach ist erst mal wieder Schluss mit der Herrlichkeit.

INFO:    Die äthiopische Zeit ist in je 12 Tages und in 12 Nacht Stunden eingeteilt. Die Tageszeit beginnt mit Sonnenaufgang um sechs Uhr und geht bis 18:00 Uhr. Danach beginnt die Nachtzeit die bis um sechs Uhr in der Frühe andauert.

Heute Morgen um ein Uhr (Ethiopien Time) ist das Norwid beladen und ich pedale zur Stadt hinaus. Es sind noch angenehme 16 Grad und noch nicht viel los auf Harar`s Straßen. Nach 14 Kilometer habe ich meinen Frühsport schon hinter mir, denn ich bin auf der Hochebene bei 2070m angekommen. Bis Tageskilometer 31, am Abzweig nach Adis Abeba, wo ich hergekommen bin, bleibt es auch relativ eben.

Grandiose Aussichten tun sich auf

Hier beginnt eine 23 Km lange rauschende Abfahrt nach Dire Dawa, die ich nur für ein paar Fotos und nach drei Stunden Fahrzeit für die Tee Pause unterbreche.

Eine Pause muss sein

Zum African Village, eine Hotelanlage die von einem Schweizer geführt wird, finde ich ohne Probleme denn das kennt hier jeder.

Highspeed Internet wird hier angepriesen, doch im Moment tut sich Garnichts, weil Stromausfall ist.

Ein wirklich schönes Zimmer bekomme ich für 300,-Birr. Kaum zu glauben alles funktioniert und ist ganz.

Am Nachmittag gehe ich in die Stadt setze mich an einer normalen Kneipe, wo die Männer ihr Feierabend Bier trinken und genieße bis 12Uhr (Ethiopien Time) den Tagesausklang.

Zurück im Hotel ist zwar Strom da aber das Internet ist ganz ganz Laaaangsaaam.



Samstag den 27.01.2018

Gut gelaunt wache ich um 9:00 auf, denn der gestrige Abend war dank Ingo und dem funktionierenden Internet sehr erfolgreich. Da ich vor lauter Verzweiflung und Ungeduld in Harar den Computer zurückgesetzt habe fehlten mir jetzt so einige Programme. „WENN ICH MEINEN SOHN INGO NICHT HÄTTE“. Am Telefon kann ich ihm Daten durchgeben, womit er wiederrum den Team Viewer installieren kann und so sich wieder auf meinen Rechner schalten kann. Jetzt läuft alles wie am Schnürchen. Nach gut eineinhalb Stunden ist wieder alles im Lot. Da das Internet stabil ist sende ich den Text, die restlichen Bilder und die GPX Dateien an Ingo. Endlich kann ich auch im Gästebuch lesen und ich sehe wieder viele mir bekannten Namen die mich auch bei meinen letzten Reisen virtuell begleitet haben. Ihre Kommentare, Lob, Kritik und Anregungen sind für mich sehr wichtig. Als ich den Aus Schalter am Laptop drücke ist es schon 23 Uhr30. Mit einem Lächeln im Gesicht schlafe ich ein.

Nach dem Frühstück schaue ich mir die Stadt an, die ich zu Fuß in einer halben Stunde erreiche.

Der Bahnhof von Dire Dawa

In der Stadt, die etwa 1200m hoch liegt, leben ca. 250,000 Menschen. Es ist eine Industriestadt (Zement und Textilindustrie) und ein Handelszentrum.

Auch hier ist vielenorts die bittere Armut nicht zu übersehen. Da liegen Menschen auf dem Bürgersteig nur in ein Tuch gewickelt, das ist alles was sie besitzen.

Wadi Dakatu

Der Fluss der nur in der Regenzeit Wasser führt und dann häufig Überschwemmungen verursacht, trennt die Altstadt von der Neustadt.

Auf der Post erwerbe ich schon mal Briefmarken aber Postkarten bekomme ich in der ganzen Stadt nicht. Es ist Mittagszeit und ich gehe in ein von der Oberschicht der Stadt besuchtes, traditionelles Speiselokal.

Es wird aufgetischt

Frauen in Tracht servieren dir auf einem Tablett verschiedene Speisen, Brot und Beilagen.

Das sieht nicht nur lecker aus, sondern schmeckt auch gut.

Anschließend mache ich mich auf den Heimweg.

Am späten Nachmittag treffe ich mich mit Zenebe auf ein Bier, ein pensionierter Sportlehrer, den ich gestern kennengelernt habe. Morgen geht es dann durch die Wüste bis zum Grenzort Dewele an der Grenze zu Djibouti. Ich hoffe die 224 Km in zwei Tagen zurück zu legen.



Sonntag den 28.01.

Um 5 Uhr bin ich schon vor dem Muezzin wach und setz als erstes Kaffeewasser auf, denn der Wasserkocher ist nicht gerade der Schnellste. Bei angenehmen 18 Grad trete ich um sieben Uhr in die Pedale. Für Strecke von Dir Dawa nach Dewele habe ich im Vorfeld Informationen eingeholt. Die Infos waren sehr Unterschiedlich. Von: Die 214 Km sind komplett asphaltiert, über: Sie ist asphaltiert mit Baustellen, bis hin zu:  die Strecke ist komplett Piste, war alles dabei. Am Ende des Tages muss ich sagen es stimmen alle drei Versionen. Wie ist das möglich? Nach dem ich die Stadt verlassen habe dauert es noch 10 Km bis der ersehnte Asphalt kommt. Aber die Strecke ist noch nicht für den Verkehr frei gegeben und ist alle 800m -1000m mit einem Erdwall quer über die Fahrbahn gesperrt.

Wenn ich Glück habe wie hier nur ein kleiner Wall aber viele sind auch höher und ich muss drum herumfahren.

Kurz nach der Tee Pause fordern die afrikanischen Dornbüsche ihren Preis, den ersten Platten auf der Tour. Ich habe aber auch noch die Schwalbe Mondeal Reifen drauf, die ich in Leh im Himalaya gebraucht gekauft habe.

Den zweiten Platten am Hinterreifen habe ich bei 73 Km.

Meist brauche ich eine halbe Stunde fürs Hinterrad denn das Gepäck muss runter.

Um 16 Uhr erreiche ich das Dorf Dure und da ich nicht weiß wann die nächste Siedlung kommt beende ich den Rad Tag hier. Ein Paar Männer winken mich ran zu ihrem Haus und in dessen Lagerraum kann ich mein Lager aufschlagen. Im nahen Restaurant kann man auch einen Schlafplatz mieten. Es sind Lager für die Fernfahrer und kein geschlossener Raum.

Rechts mein Gastgeber

Was zu beißen bekomme ich in dem benachbarten Restaurant und sogar ein kaltes Bier. Das Zisch so richtig, denn es sind immer noch 30 Grad.

Mein Nachtlager

Ein Mann schläft draußen vor der Tür und passt auf, dass mir nichts passiert. Da bei habe ich doch zwei Schutzengel die über mich wachen.

Angelika und Gabi



Montag den 29.01

Heute stehe ich schon um kurz vor sieben Uhr vor dem ersten Hindernis und es werden ihm im Laufe des Tages noch 86 Stück folgen. Doch das Fahren auf der asphaltierten Strecke ist alternativ los. Die Piste ist meist Wellblech und eine staubige Angelegenheit.

Meist läuft die Piste im großen Abstand zur asphaltierten Streck das ich vom Staub unbehelligt bleibe.

Immer wieder sehe ich vereinzelte Rundhütten oder wie hier kleine Dörfer mit einfachen Unterkünften und es drängt einem die Frage auf, wer will hier leben? In dieser lebensfeindlichen Umgebung. Ich radele ja nur durch eine Wüste, mit für mich traumhaften Ausblicken aber hier leben möchte ich nicht.

Landschaften wie gemalt

Auch bekomme ich noch andere Wüstenbewohner zu Gesicht. Mal ist es eine Herde Affen die ich im bergischen Teil der Strecke sehe. Dromedare finden auch noch auf der kargen Speisekarte der Wüste genug Nahrung.

Springböcke sind flink und passen sich mit der Farbe ihres Fells der Umgebung perfekt an

Am Nachmittag, ich habe eine Trinkpause eingelegt, da ist ein Stück feiner Draht die Ursache für einen erneuten Plattfuß hinten. In das Austauschen des Schlauches hat sich Mittlerweise wieder Routine eingestellt und nach 20 Minuten sitze ich wieder im Sattel.

Die letzte Hürde des heutigen Radtags

Mittlerweile habe ich auch da ein System gefunden diese Barrieren ohne viel Kraftaufwand zu überwinden. Um 16:00 Uhr rolle ich am Ortseingang von Ayshau auf den Hof eines Hotels. Nach dem ich mir das Zimmer angesehen habe, bin ich angenehm Überrascht. Das Bett ist mit einem Insektenschutz überspannt auch gibt es ein sauberes Bad mit Steh Klo und eine Afrikanische Dusche (Eimerwasser mit Kelle).  Schlauch flicken, Rad Dress waschen und danach selber den Staub der Straße herunterspülen. Zum Abend essen nehme ich mal ein Omelett und kühles Bier Marke Harar. Morgen sind es noch ca. 50 km bis zum Grenzort Dewele.  Ich hoffe so um die Mittagszeit dort einzutrudeln.



Dienstag den 30.01.

Nach fünf Kilometer ohne Sperren auf der Fahrbahn hoffe ich das der Ritt heute Barrierefrei bleibt. Die Wüste verändert sich jetzt schnell, wo gestern noch Sträucher und vereinzelt noch Bäume standen ist nur noch eine Steinwüste.

Steinwüste

Wasser ist hier ein kostbares Gut für Mensch und Tier

Nach 18 Km freier Fahrt taucht vor mir wieder die erste Barriere auf und das bleibt auch so bis kurz vor der Grenze.

Der supermoderne neue Zug

Schon lange konnte ich die neu gebaute Eisenbahn Trasse von weitem sehen, aber bei dem Grenzort Dewele kommt doch tatsächlich ein Personenzug gefahren. In Dire Dawa als ich am Bahnhof war, sagte man es ist noch ungewiss wann der Zug von Djibouti nach Adis Abeba wieder verkehrt.

In Dewele spiele ich mit dem Gedanken dort noch eine Nacht zu verbringen, aber als ich mir das Loch angesehen habe, was der Wirt als Zimmer bezeichnet lehne ich dankend ab.“ Auf nach Djibouti“

Bei Tageskilometer 48 erreiche ich die äthiopische Grenze. Nach dem ich ein Missverständnis ausgeräumt habe bekomme ich den Ausreisestempel in den Pass. Der Beamte meinte ich hätte nur ein Tagesvisum für Djibouti, weil bei Entree der 30 Januar eingetragen ist. Um 13:00 Uhr habe ich auch den djiboutischen Einreisestempel im Pass.

 Der erste Kilometerstein in Djibouti

Vieles ändert sich schlagartig, ich werde auf Französisch angesprochen und den Birr tausche ich gegen das Djibouti Franc. Den ersten Ort Ali Sabin ca.10 Km hinter der Grenze erreiche ich schon um 14:15 Uhr. Das einzige Hotel Palmeraie liegt auf einer Anhöhe und ist schon von weitem zu erkennen.

Für ein Zimmer will der Mann an der Rezeption 86,-US$ haben. Als ich ihn Frage ob auch etwas kleiner ginge hat er noch eine alternative aber ohne Wlan für 50,-US$ was ich, wenn auch Zähneknirschend nehme.  Mit 100,- €   die ich an der Rezeption gewechselt habe, gehe ich ins Dorf und esse ein Bohnengericht und kaufe Brot ein. Mal schauen ob ich im Hotel an das Passwort komme und die drei Tage noch heute versenden kann.



Mittwoch den 31.01.

Nach dem Motto: „Der frühe Vogel fängt den Wurm“ rollen die beiden Laufräder meines Norwid schon um 6Uhr 40 über den Asphalt. Zuerst geht es in rasanter Fahrt bergab bis ich nach 16 Km auf die Route National Nr.1 (RN1) treffe. Der folge ich in Richtung Djibouti.

 Die Wüste ist nicht öde und leer

Nach gut zwei Stunden lockerer Kurbelarbeit kommt mir eine steife Brise entgegen. Der böige Ostwind kommt schräg von vorn und drückt mich zur Mitte der Fahrbahn.

Die ersten Hinweisschilder seit Tagen

Bei Tageskilometer 46 kommt der Abzweig nach Tadjaura. Hier werde ich nach meiner kleinen Rundfahrt durch Djibouti, wieder auf die NR1 treffen, auf der ich dann nach Dikhil pedalen werde. So der Plan. Nun halte ich Ausschau nach einem schattigen Platz für die erste Rast des Tages.

Bei Tageskilometer 50 stehen zwei Schatten spendende Bäume in einem Wadi, ein guter Platz um zu pausieren

Siedlungen sind wenige, aber wenn dann hat sie auch eine Moschee mit Schule und sauberen Häusern für die Menschen. Eine soziale Komponente des Islam den die Menschen zu schätzen wissen. Nach einem steilen Anstieg, ca. 12-14 % geht es bergab Richtung Ozean.

Manch mal wird’s eng mit den LKW, alleine heute habe ich wieder zwei schwere Unfälle gesehen.

Es ist Mittag und da sehe ich auf der linken Seite ein Restaurant mit vielen LKW auf dem Parkplatz. Genau wie man es bei uns zuhause erleben kann, gibt es dort gutes, reichliches und preiswertes Essen.

Die Wirtin hat alles im Griff. Mich wollte sie heiraten aber als ich ihr sage, dass sie hinten auf dem Pack Sack sitzen müsse, nimmt sie denn doch Abstand davon.

Jetzt wird es noch mal unangenehm. Schon 25 Km vor der Hauptstadt beginnen die Industriegebiete rechts und links der Straße. Es staubt ohne Ende, weil überall gebaut wird. Dazu der heftige Wind der den roten feinen Staub vor sich her treibt. Die Chinesen legen sich hier richtig ins Zeug, da wird nicht gekleckert, nein da wird geklotzt. Sie bauen ganze Industrieanlagen mit Verwaltungsgebäuden und dazu gehörigen Logistikzentren. Endlich habe ich das Hafenviertel erreich und ich begebe mich auf Zimmersuche. Nach dem ich 5 Hotels abgeklappert habe, wo das günstigste Zimmer bei 90,-US$ lag, spricht mich eine junge Frau an ob sie helfen kann? Sie kennt noch günstige Hotels und schon beim Zweiten bekomme ich das Zimmer für 54,-US$.

Dank an meine hübsche und selbstlose Helferin

Das Zimmer ist sehr gut mit Klimaanlage Bad und Free Wifi gibt es auch.