Juni 2018  Albanien - Kosovo - Mazedonien-Bulgarien


Freitag den 01.06.

Da das Strandrestaurant gestern Abend Probleme mit dem Internet hatte, war ich früh im Bett. Um halb fünf, nach acht Stunden in der Waagerechten, bin ich putzmunter, naja sagen wir mal, nach dem ersten Becher Kaffee. So kommt es das ich schon um 6 Uhr10 in Richtung Vlore pedale und die Stadt schon bald erreicht habe. Die Küsten Stadt kommt ganz mondän daher, breite Boulevards mit Fahrradweg und einem Cafe nach dem anderen. Von hier fahre ich eine Nebenstrecke die zur Stadt Fier führt. Ein paar Hügel geht es hoch, dann habe ich noch mal einen zauberhaften Blick zurück auf Vlore.

Schöner Abschnitt der leider in Fier endet und so ich auf der stark frequentierten Schnellstraße fahren muss.

Die Borsumer Imbiss Bude steht jetzt in Albanien. Wenn einer meiner Leser den Wagen kennt oder weiß wo er vorher gestanden hat, dann würde ich mich über eine Rückmeldung freuen.

An einer Tankstelle die Free Wifi hat kann ich meinem Freund Hennes das Königsbild des Monats zu schicken. Immer zum Kegeln bekommt der Kegelklub ein aktuelles Bild vom König zugeschickt. Weiter geht es anschließend auf der Schnellstraße bis ich um 15:00 Uhr nach einer kleinen Stadtrundfahrt im Ort Kavaje das Hotel Balkan finde, wo ein großes helles Zimmer auf mich wartet.

Zuerst habe ich gedacht, die haben das aber nett geschmückt hier extra für dich, doch später als ich zum Essen gehe, stellt sich heraus, dass es fürs Stadtfest am Wochenende ist.

Folklore Gruppen warten gespannt auf ihren Auftritt.

Eine Leidenschaft der Albaner ist das Spielen. Hier im Park treffen sich die Männer und es wird gekartet, Schach, Domino und Backgammon gespielt.

Ich habe mir in Tirana für Morgen per Internet ein Zimmer gebucht, damit ich in der riesigen Stadt nicht noch lange suchen muss.

Tagesdaten: 113 Km / 7:10 Std im Sattel / 451m Anstieg und 413m Abstieg.




Samstag den 02.06.

Da es gestern etwas später geworden ist und heute nur 51 Km auf der Agenda stehen, schwinge ich mich erst um viertel vor acht Uhr in den Sattel. Das Navi lotst mich auf die Autobahn, die wohl auf dem Stück alternativlos ist. Endlich nach 14 km kommt die Ausfahrt Durres-Ndoq, von hier geht es über die Sh56 nach Tirana. Der Straßenbelag ist zwar grottenschlecht aber immer noch besser als Autobahnfahren ohne Seitenstreifen.

Das Weiße Haus

Was das für ein Gebäude ist, habe ich noch nicht rausbekommen. Bald schon stecke ich im dicksten Großstadtverkehr, aber im Vergleich zu Kairo ist das hier eher harmlos. Trotzdem muss man hellwach sein denn wie überall machen Autofahrer erst mal die Autotür auf und schauen dann sie ob ein Radfahrer kommt. An der Kathedrale frage ich einen Passanten nach der Adresse meines Gasthauses, und siehe da ich bin keinen Kilometer mehr entfernt davon.

Es ist halb Eins als ich vor meiner Unterkunft für die nächsten Tage stehe. Das Gasthaus wird von zwei älteren Damen geleitet die mich herzlich empfangen. Wieder mal habe ich bei der Wahl meiner Unterkunft den richtigen Riecher gehabt. Ich fahre mit dem Rad auf den geschlossenen Hof, wo ich es Morgen mal warten kann. Wlan ist OK und aufs Frühstück Morgenfrüh bin ich mal gespannt.

Am Nachmittag spaziere ich zum Skanderbeg Square der zentrale Platz hier in Tirana. Er ist ein Paradies für Fußgänger und Radfahrer, hier trifft man sich um zu sehen und gesehen zu werden. Die zahllosen Cafés sind alle gut besucht aber ich suche ein Restaurant, weil ich Hunger habe bis unter beide Arme. In einer Nebenstraße werde ich fündig und habe hier auch wieder Glück das Traditionelle Essen ist gut und ich bin satt hinterher.

Als Nachtisch schaue ich mir noch die außergewöhnliche Form der Kathedrale an.

Das Eingangsportal ist beeindruckend

Auch die Ansicht von der Seite ist sehr interessant. Rechts im Bild ein sich noch im Bau befindliches Bürohochhaus, was im Rohbau schon außergewöhnlich aussieht. Auf dem Rückweg kaufe ich noch ein gutes Fläschchen Rotwein und dunkle Schokolade ein die ich beim schreiben dieses Tagesberichts verzehre.

Tagesdaten: 51Km /3:45 Std Fz./ 329m Anstieg und 206m Abstieg




Sonntag den 03.06.

Nach dem, für Fahrradfahrer eher spärlichen Frühstück, ist mein Norwid an der Reihe. Da ich hier im Innenhof gute Möglichkeiten habe das Rad zu reinigen, mache ich die gründliche Variante.  Mit Seifenlauge gründlich abwaschen, alle Schrauben und Speichen kontrolliert, die Bremsen nachgestellt, Kette gereinigt und einölen. „Wat sing mott mott sing“. Jetzt steht einer Sonntagstour durch Tirana nichts mehr im Wege

 Tirana, die Hauptstadt Albaniens, ist bekannt für ihre farbenfrohe Architektur aus der osmanischen, faschistischen und sowjetischen Zeit.

Pastellfarbene Gebäude säumen den zentralen Skanderbeg-Platz, der nach der Reiterstatue eines Nationalhelden benannt ist. Am nördlichen Ende des Platzes befindet sich das modernistische Historische Nationalmuseum, dessen Ausstellungen von der Vorzeit über die kommunistische Herrschaft bis hin zu den antikommunistischen Aufständen der 1990er-Jahre reichen.

Das Mosaik am National Museum

Die Pyramide von Tirana ist stark Renovierung bedürftig. Überall in der Stadt wird gebaut und restauriert. Ich suche mir in der Fußgängerzone ein griechisches Lokal aus, bestell mir was zu essen, ein Bier dazu und schau den Leuten zu die vorbei flanieren.

Morgen steht eine Kurzetappe an. In ca. 25 Km Entfernung von Tirana auf einer Höhe von 500m thront die Burg von Kruje die ich mir anschauen will.




Montag den 04.06

Von wegen 25 Km entfernt und auf 500m Höhe, diese Information hatte ich gestern aus dem Internet bezogen. 39,03 Km waren es genau bis vor der Tür des B&B, und 595m hoch steht mein Bett über Meeresspiegel. Darauf habe ich es mir gemütlich gemacht in meiner urigen Kemenate hoch oben auf der Burg von Kruje.

Da noch Zeit bis zum Abendessen ist, schreibe ich schon mal den Tagesreport und suche die Fotos aus. Aber fangen wir doch am besten von vorne an.

Durch den Montagmorgen Großstadtverkehr muss ich und bin froh als ich hinter dem Flughafen von der Schnellstraße runter muss und es auf einer Nebenstraße weitergeht. Nach dem ich die Stadt Fushe Kruje hinter mir gelassen habe, steigt die Straße mächtig an. Sie taucht ein in einen dichten Kiefernwald und windet sich Serpentine für Serpentine den Berg hoch. Bei 400m Höhe wird der Wald lichter und ich kann Kruje sehen das wie ein Schwalbennest am Hang klebt.

Kurz darauf kommt auch die Burg, oder was davon noch übrig ist, in Sicht die auf einem Felsplateau thront.

Hinter dem Turm auf dem Gelände der Burg steht das Restaurant und Guesthouse Merlika

Vorbei an der Moschee, durch den alten Basar schiebe ich nun mein Rad noch zwei Rampen hoch und ich stehe vor dem B&B Merlika.

Ich werde von meinen Gastgebern freundlich empfangen und bekomme das Zimmer mit dem besten Ausblick, der im Süden bis Tirana und im Westen bis zum Meer reicht. Spätestens jetzt ist mir klar ich bleibe einen Tag länger. Nach dem die triefnassen Radler Klamotten ausgewaschen sind und mich geduscht habe, mache ich noch einen ersten Spaziergang runter zum Ort und kaufe Getränke ein. Nun sitze ich auf dem Bett und tippe diese Zeilen in das Schreibprogramm.

Gegen 19:00 Uhr sitze ich auf die Terrasse wo ich das Abendessen serviert bekomme. Ein sympathisches Hamburger Paar treffe ich dort, sie reisen leider Morgen wieder ab und fliegen zurück in ihre Heimatstadt.

Morgen schaue ich mir die Burg und Umgebung etwas genauer an und genieße einfach diesen einmaligen Ort.

Tagesdaten: 39 Km / 3:30 Std im Sattel / 614m Anstieg und 138m Abstieg





Dienstag den 05.06.

Heute wollte ich mich entscheiden, welche Route ich nach Budapest nehmen werde. Der Satz in Norberts letzten Monatsrückblick brachte die Entscheidung. Ich zitiere: Jetzt ist die Radtour bald vorbei, wir resümieren schon den Mai. Also fahre ich noch mal ein Stück zurück.

Die ursprüngliche Planung war ja, von der Türkei am Schwarzen Meer entlang hoch zum Donaudelta zu fahren. Da ich noch ein wenig Zeit habe pedale ich nun von Albanien in den Kosovo. Dort schwenke ich noch mal nach Süden um nach Skopie zu gelangen. Von hier geht es über die Berge in die Hauptstadt von Bulgarien nach Sofia. Von Sofia nach Burgas sind es nur noch 385 Km und ich bin am Schwarzen Meer. Von hier verläuft die Strecke möglichst die Küste entlang bis zum Mündungsdelta der Donau wo ich ein paar Tage verweilen möchte.

Dann geht es einfach 1846 Km die Donau entlang bis in die Hauptstadt von Ungarn Budapest, wo meine etwas radverrückte Schwester Gabi am 04.08. zu mir stößt. Sie fährt dann wie jedes Jahr vier Wochen mit mir zusammen.

Jetzt ein kurzer Abriss des Tages. Nach dem guten Frühstück auf der Terrasse meiner Unterkunft schaue ich mir die Burg an.

Die Reste der Burgmauer die vom Uhrenturm runter zum Skanderbeg Museum verläuft.

Das Kastell von Kruja ist eine Festung in der mittelalbanischen Stadt Kruja. Sie war das Zentrum der Kämpfe von Skanderbeg und seiner Liga von Lezha im Mittelalter Albaniens gegen das Osmanische Reich.

Die Ansicht von Westen

Nach einem Museumsbesuch steht mir nicht der Sinn und darum suche ich den Wanderweg der rund um die Burg führt und werde fündig. Er beginnt an einem Tunnel der unter der Burgmauer verläuft.

Der Wanderweg wird zum Trampelpfad der oft schwer zu erkennen ist. Dort treffe ich auf die Schildkröte die mir schon in Griechenland über den Weg gelaufen ist.

Was bist du gewachsen.                                                        Das war am 17.05. in Griechenland

Gleich gibt es noch mal ein leckeres Abendmahl und morgen steige ich wieder in den Sattel





Mittwoch den 06.06.  Heute ist Hannis Geburtstag

Da das Essen gestern Abend nicht wie gewohnt gut war, er nicht da war und heute Morgen auch neben der Spur ist, spreche den Wirt darauf an. Seine Frau musste er gestern ins Krankenhaus bringen, weiter habe ich auch nicht nachgefragt. Als ich die Rechnung begleiche gebe ich ihm mehr, damit er seiner Frau von mir ein paar Blumen ins Krankenhaus mitbringt.

Danach starte ich die heutige Radtour Etappe mit einer 25-Minütigen Abfahrt bis zur Nebenstrecke nach Lac. Die ist aber sowas von daneben die Strecke, sie wird im Moment komplett saniert wie ich an der eingestürzten Brücke sehen kann.

Da auf die Schnelle nur eine provisorische Furt im Bach eingerichtet wurde und ich beim Durchfahren des groben Kiesbettes absteigen muss, bekomme ich nasse Füße. In Lac erreiche ich die Hautstraße A1 auf der ich hinter Rubik bis zur Abfahrt Rreshen fahren kann. Ab hier beginnt die Autobahn und hier stehen auch Verbotsschilder für Fahrradfahrer.

In meiner Karte ist sie schon als Autobahn eingezeichnet.

An der Ausfahrt kündigt sich hinten ein Plattfuß an, ich pumpe Luft hinein um zu sehen wie lange es dauert bis der Reifen schwammig wird. Aber eine viertel Stunde später muss ich den Schlauch wechseln. Ein Draht hat sich durch den Mantel in den Schlauch gebohrt. Mit neuer Luft im Reifen geht es nun die Pässe hoch, woher ich die zweite Luft her nehme interessiert keinen. Es kommt auch kaum ein Fahrzeug, im Schnitt alle halbestunde eins.

Wenn ich diesen Fluss überquere bin ich an meinem heutigen Ziel angelangt.

Die Autobahn tief im Tal

Gerade habe ich den zweiten Platten geflickt, da kommt mir ein junges Radler Paar entgegen, sie machen Urlaub und kurven mit leichten Gepäck durch die Berge Albaniens. Sie hatten die folgende Abfahrt schon angekündigt.


Rasant auf Flüsterasphalt geht es mit drei kurzen Steigungen dazwischen runter bis zum Ort Gjegjan wo ich ein kleines Hotel finde, das einzige weit und breit wo ich für 1000,-Lek Übernachtung Essen und Trinken bekomme.

Tagesdaten:105Km / 8:15 Std In Fahrt / 1211m Anstieg und 1456m Abstieg




Donnerstag den 07.06.

Ehe ich gestern den Bericht fertig hatte war es schon halb elf Uhr darum beginne ich den Rad Tag um kurz nach acht Uhr.

Vor dem kleinen Hotel

Hier macht der Fluss eine Schleife

Weiter dem Fluss folgend geht es bergauf bis ich auf die Sh5 stoße. Bisher war die Fahrtrichtung Nord so pedale ich nun nach Osten.

Hier geht’s lang

Bei Tageskilometer 22 erreiche ich den Ort Fushe Aretz und weiter geht es bergauf. Bei Tageskilometer 32,2 kommt der Abzweig. Ich bleibe auf der Sh5 Richtung Kukes und stehe bald auf der Passhöhe 954müNN und es wird Zeit für eine Pause, die ich auch zum Trocknen meiner durchgeschwitzten Klamotten nutze

Mal wieder oben

13:15 geht es gestärkt weiter. Zuerst verläuft die Straße den Hang entlang, dann stürzt sie runter auf 600 m um dann gleich wieder anzusteigen. Von der nächsten Passhöhe (820 m) aus kann ich mein Ziel für heute den Ort Shenmeri erkennen. Kurz vor drei bin ich dort und muss feststellen es gibt keine Übernachtungsmöglichkeiten. Einen Bewohner frage ich noch, der sagt: 7 Km den nächsten Pass hoch dann geht es nur noch runter nach Kukes. Gut, dass ich ein Zelt mithabe so mache ich mich nach einer kurzen Pause auf den Weg hoch zum Pass. An einer Quelle auf halber Höhe fülle ich den Wassersack auf, in der Hoffnung irgendwo einen geeigneten Platz zum Zelten zu finden.

Hinter jeder Kurve sind neue tolle Aussichten aber ein Zeltplatz ist hier nicht auszumachen dazu ist das Gelände zu steil. Auf der Passhöhe 805müNN die ich um 18:00 Uhr erreiche, finde ich endlich den idealen Platz für mich und mein Zelt.

Von Weiten kann ich schon Kukes sehen und einen Moment überlege ich noch runter zu fahren aber hier oben ist es einfach herrlich.

Zuerst koche ich Reis mit Bohnen und Thunfisch dazu wir ein Schluck Rotwein gereicht, es fehlt nur noch die weiße Tischdecke. Ich genieße den Sonnenuntergang und liege schon um 21:00 Uhr tot müde im Zelt.

Tagesdaten: 66 Km / 7:05 Stunden im Sattel / 1573m Anstieg und 1106m Abstieg




Freitag den 08.06

Um sechs werde ich von der Sonne geweckt. Der Ausblick ins morgendliche Tal ist umwerfend schön.

Morgenstunde

Ein Foto kann das nicht so darstellen und ist immer nur ein Ausschnitt und eine schlechte Kopie vom Original. Für mich wird das Foto bei späterer Betrachtung noch mal dieses Glücksgefühl auslösen und mich daran erinnern wie ich da auf meinem Hocker sitze, den Becher Kaffee in der Hand und diesen Ausblick genieße.

Da es nur noch 27 Km bis nach Kukes sind, habe ich auch keine Eile, Frühstücke in Ruhe und pack dann meinen Plunder zusammen. Als letztes schnalle ich die kleine Tüte mit Müll, den ich produziert habe auf den Packsack und los geht es. Das sollte doch selbstverständlich sein das zu tun und nicht einfach den Müll in die Landschaft zu werfen, wie man es leider oft genug sieht.

Von wegen, es geht nur noch runter nach Kukes. Auf der ersten Steigung kommt mir ein Radlerpaar aus Lyon entgegen. Wir tauschen noch Infos aus, denn die wollen dahin wo ich herkomme.

Weiter geht es durch die Schluchten des Balkans

Frisches Quellwasser schmeckt vorzüglich bei der Anstrengung und den Temperaturen. Ich fülle meine Flaschen auf und nach dem Anstieg geht es wirklich nur noch runter. Bei Tageskilometer 17 komme ich auf die Autobahn eine andere Möglichkeit habe ich nicht. In rasanter Fahrt geht es nun runter nach Kukes wo die Autobahn wieder zur Sh5 wird. Zur Innenstadt geht es links und noch mal einige Meter hoch und im ersten Hotel im Centrum Hotel Gjallica bekomme ich ein Zimmer und mein Rad einen sicheren Platz im Innenhof.

Die Stadt eingerahmt von hohen Bergen

Nach dem alles erledigt ist was zu tun ist, gehe ich ein paar Blocks weiter etwas essen. Morgen steht wieder ein neues Land auf der Agenda, der Kosovo. Es wird zwar nur ein Kurzbesuch werden aber gespannt bin ich trotzdem.

Tagesdaten: 27Km / 1:55 Std.in Fahrt / 266m Anstieg und 699m Abstieg



Rückblick auf Albanien

Wer meine Reiseberichte aufmerksam gelesen hat, wir gemerkt haben wie begeistert ich vom Land seinen faszinierenden Landschaften und von seinen Bewohnern bin. Die sanften Menschen mit ihrer eher zurückhaltenden Art sind mir sehr sympathisch. Sie können gut zuhören und ihre Art leise zu sprechen ist eher untypisch für Südländer. Ich habe mich in das kleine Land auf dem Balkan verliebt und so geht es vielen die hierherkommen trotz der vielen Vorurteile die es über das Land immer noch gibt. Also kommt nach Albanien bevor der Massentourismus das Land entdeckt hat.





Samstag den 09.06.                Meine Freundin Ursula Pollmanns hat heute Geburtstag

Ab sieben Uhr gibt es Frühstück im Hotel Gjallica, da steht mein Gefährt schon fertig bepackt vor der Tür. Es sieht nach Regen aus und ich sitze gerade im Sattel da fängt es an zu tröpfeln. Kurz nach dem ich die Regenjacke anhabe hört der Regen auf.

Die gehen auf der Autobahn mit ihren Kühen spazieren

Die 20 km bis zur Grenze zum Kosovo muss ich auf der Autobahn fahren, weil es sonst keine andere Möglichkeit gibt. Der Grenzübertritt geht reibungslos von statten. Ein deutscher Grenzpolizist der von der EU als Berater und Ausbilder für die Kosovo Grenzbeamten tätig ist, spricht mich an wo ich herkomme usw. Er ist sehr interessiert und wir unterhalten uns lange. Er gibt mir noch einen Tipp wie am schnellsten runter von der Autobahn und auf die alte Straße M25 komme, die auch nach Prizren führt. Eine Stunde später bin ich schon mitten in der Stadt Prizren und mach schon das erste Foto von der Steinbrücke aus dem 15 Jahrhundert.

Die Brücke über die Bistvica rechts die Sinan-Pascha-Moschee und hoch oben die Festung

Als erstes gehe ich auf die Suche nach einer Unterkunft. Da ich zwei Tage bleiben will brauche ich ein Hotel im Zentrum und gutes Internet. Das Hotel unweit der historischen Steinbrücke Hotel Edi Imperial bietet genau das und ich buche zwei Nächte. Da die Landeswährung der Euro ist nutze ich die Gelegenheit mich mit frischen Euros einzudecken. Bei den Spaziergängen durch die teilweise gut erhaltene Altstadt besuche ich die Sinan-Pascha -Moschee.

Im inneren der Moschee

Ein kunstvoll gearbeiteter Wasserhahn an der Moschee

Mit Ingo hatte ich mich verabredet, weil ein paar Updates am Computer fällig sind.

Wenn das Wetter und die Sicht gut ist, werde ich mir Morgen die Festung anschauen.

Tagesdaten: 39 Km /3:30 Std in Fahrt / 614m Anstieg und 137m Abstieg





Sonntag den 10.06.       Mein Freund Peter Montforts hat heute Geburtstag

Gestern waren mir die vielen Albanischen Fahnen aufgefallen, ganze Straßenzüge in der Stadt sind damit geschmückt. Die meisten Kosovoalbaner hier wünschen sich, dass der Kosovo zu Albanien gehören würde. Serbien hingegen betrachtet den Kosovo als autonome Provinz Serbiens. Nur ein paar Sätze zu der komplizierten Lage hier im Kosovo. Die jüngere Geschichte ist durch den Kosovokrieg von 1999 und dessen Folgen geprägt. Der völkerrechtliche Status des Landes ist umstritten. Am 17. Februar 2008 proklamierte das Parlament die Unabhängigkeit des Territoriums. 112 der 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen erkennen die Republik Kosovo als unabhängig an. Also ziemlich verworren die ganze Situation.

Gut das ich so eine gute und schnelle Internet Leitung und einen Sohn wie Ingo habe, der mein Laptop und die Programme gestern Abend noch auf den neusten Stand gebracht hat.

Heute Morgen nach dem Frühstück spaziere ich hoch zum Kastell von Prizren. Von hier Oben hat man einen fantastischen Ausblick auf die Stadt und die Umgebung.

Von der ehemaligen Burganlage ist nicht viel erhalten, aber für den Ausblick alleine lohnt sich schon der steile Aufstieg.

Drei Böller Schüsse und es darf gegessen werden

Der Kosovo und besonders die Stadt Prizren sind stark vom Islam geprägt das sieht man schon am Stadtbild mit den vielen Moscheen mit ihren Bleistift Minaretten. Der Fastenmonat Ramadan, wird dieses Jahr vom 16 Mai bis zum 14 Juni begangen. In Mazedonien oder Albanien habe ich nichts davon gemerkt. Gestern Abend genau um 20 Uhr15 Sonnenuntergang die besagten Böllerschüsse dann darf, für die gläubigen Muslime, gespeist werden. Das man den anders Gläubigen hier nichts aufzwingt finde ich gut. Du bekommst auch tagsüber Essen und alkoholische Getränke.

Diese kleine Orthodoxe Kirche sehe ich beim Abstieg

Noch drei Spaziergänge durch die Stadt unternehme ich damit auch die Anderen Muskel mal was zu tun haben und ich was zu sehen bekomme.

Spiegelung                                                                                        Ein Foto Team bei der Arbeit

Bei der Steinbrücke schaue ich einem Fotomodell bei der Arbeit zu. Das ist auch kein Zuckerschlecken bei 30Grad in der Sonne, immer gut aussehen und lächeln. Da ist mir Fahrradfahren lieber. Darum steige ich morgen Früh wieder in den Sattel und werde Richtung Skopie in Mazedonien pedalen.



Montag den 11.06.

7Uhr45 pedale ich beim schönsten Radelwetter zur Stadt hinaus. Gestern hatte ich bei einem meiner Spaziergänge durch die Stadt deutsche Soldaten in Uniform gesehen die Teil der KFOR Truppen sind die von der Nato hier stationiert sind. An diesem Nato Stützpunk radele ich nun vorbei. Nach 20 Km auf der M25 geht es den ersten Höhenzug hoch auf 668m, durch den Ort Duhell und direkt wieder hoch. Wo ich eben noch im Schatten eines Mischwaldes hoch pedalt bin, scheint mir die Sonne nun auf den Pelz. Bei Tageskilometer 30 bin ich auf der Passhöhe mit 821müNN. Von nun an geht’s Berg ab. 

Blick zurück kurz vor der Passhöhe  

Im nach hinein betrachtet war dieses Stück und die folgende Abfahrt bis zur Stadt Shtime, der schönste Teil der heutigen Tour. Wenn da nicht die Moscheen stehen würden könnte man meinen ich fahre durchs Sauerland. 

Eins von vielen Ehrenmale für gefallene UCK Kämpfer  

Die UCK albanisch Ushtria Çlirimtare e Kosovës, „Befreiungsarmee des Kosovo“) war eine albanische paramilitärische Organisation, die für die Unabhängigkeit des Kosovo kämpfte. Sie entstand 1994, öffentlich trat sie erstmals 1996 in Erscheinung. Ihr Ziel war die Unabhängigkeit des Kosovo, ihr Mittel war der bewaffnete Kampf. Teile der UÇK strebten auf diese Weise auch den Zusammenschluss aller mehrheitlich von ethnischen Albanern besiedelten Gebiete in Serbien, Mazedonien, Montenegro und Griechenland mit dem Mutterland Albanien an. Mitbegründer und Anführer war bis zu seinem Tod im Jahre 1998 Adem Jashari, danach bis zur Auflösung der UÇK im Jahre 1999 Hashim Thaçi.

Hinter Shetime nach 51 Kilometer wird es Zeit für eine Pause. Neben einem Lebensmittel Laden auf einer Bank nehme ich Platz. Der Inhaber setzt sich zu mir und wir plaudern, denn er kann ein wenig Deutsch. Er bietet mir einen Energie Drink und was Gesundes an, ich nehme natürlich das Bier. Nach einer guten halben Stunde geht es weiter, viel Staub und viele Baustellen machen mir zu schaffen. Es wird eine neue Autobahn gebaut. 

Durch die enge Schlucht kurz vor der Grenze zu Mazedonien zwängt sich die M25 wo ich drauf fahre. Der Fluss, die Eisenbahn und nun noch auf Stelzen die Autobahn. Um 14:00 Uhr habe ich beide Grenzkontrollen hinter mir und pedale nun auf der M3 Richtung Skopje.  

Das Schild bedeutet: Achtung da fährt ein Fahrrad beladen wie ein Pferdefuhrwerk  

Zehn Kilometer vor der Hauptstadt mache ich noch mal Rast. Der Platz an einer Tankstelle ist ideal, Tisch und Bank dazu noch fließendes Wasser, worin ich das geschenkte Bier kühlen kann. Das trinke ich erst ganz zum Schluss der Pause, das zischt so richtig bei 33 Grad im Schatten. Vorher gab es noch zwei Butterbrote, eins mit Salami und eins mit Käse. Nach dem ich das Rad und die Packtaschen vom Baustellenschmutz gereinigt habe pedale ich jetzt auf einem Radweg zur Großstadt hinein immer Richtung Zentrum. Dort gebe ich die Adresse vom Hotel ein, das ich mir gestern noch rausgesucht habe. 

Der Wegweiser: Old Skopje Bazar ist goldrichtig denn dort befindet sich auch mein Hotel.  

So bin ich schon um 16:30 Uhr auf dem Zimmer und mache später noch einen Spaziergang durchs Viertel. Morgen bleibe ich noch hier und schaue mir die schöne Stadt Skopje an. 

Warten aufs Essen im Basarviertel  

Tagesdaten: 117 Km / 7:35 Std. im Sattel / 877m Anstieg und 1021m Abstieg



 

Rückblick: Kosovo

Da ich nur zweieinhalb Tage im Land war kann ich nicht viel sagen. Im Land herrscht Aufbruchsstimmung. Überall wir gewerkelt und gebaut. Die Läden sind voll mit Waren, auch mit Dingen die man nicht unbedingt braucht. Das Land ist noch geprägt von seiner jüngsten Geschichte ist aber auf dem Weg nach Europa.




Dienstag den 12.06.

Auch heute mache ich es so, dass ich in mehreren Spaziergängen die Stadt erkunde und dabei meine Einkäufe erledige. Mein Geschmack ist das nicht was sich hier einige Städteplaner haben einfallen lassen. Mit viel Geld wurde hier eine Stadt verunstaltet. Überdimensional große Denkmäler und Brunnen wurden aufgestellt. Bauten im Altgriechischen Stiel, vergoldete und verschnörkelte Lampen und nachgebaute alte Segelschiffe sind einfach zu viel des Guten. Aber kommt her und urteilt selber.


Überdimensionaler Brunnen

Altgriechisch gemischt mit Gelsenkirchener Barock

Eine Kogge?

Es ist meiner Meinung nach „Zum ins Wasser gehen“

Im Basarviertel

Nach so viel Kunst, Kitsch, und Krempel bin ich wieder froh Morgen mit dem Rad in der Natur zu sein. Die Route geht in die Berge und wenn alles so läuft wie geplant müsste ich am Donnerstag in Sofia ankommen.





Mittwoch den 13.06.18

Heute war mal wieder so ein Tag wo alles so läuft wie man es geplant hat, oder noch besser. Das fängt heute Morgen schon an, mein Garmin findet ohne Probleme im Straßengewirr der Großstadt Skopje die Nebenstraße P101 auf der ich ohne größeres Verkehrsaufkommen bis Kijmanovo pedalen kann.  

Die P101 lässt aber keinen Zweifel daran dass heute ein Klettertag ist.

In Kijmanovo überquere ich die M1 ( E75 ) so heißt die Autobahn heute. Leuten in meinem Alter als Auto Putt in Jugoslawien besser bekannt. Ich halte mich in Richtung Sofia, denn da will ich hin.

Das ist ja nur noch ein Katzensprung bis Sofia zu einer der ältesten Städte Europas.

Jetzt bin ich auf der Autostraße A2 ( E 871) auf der ich bis zur Grenze bleibe. In der Pause, die ich um 10:15 einlege kommt ein VW Polo fahrender Bulgare zu mir schenkt mir eine Handvoll Kirschen und warnt mich vor „ Zarapzapzap“ mit dem er wohl frei übersetzt, Diebstahl und Klauen in seinem eigenen Land meint. Frisch gestärkt und einige Kirschkerne im Bauch beginnt das Muntere auf und ab, was bis kurz vor meinem heutigen Ziel so bleibt.

Auf der Karte ist 15 Km vor Kriva Palanka ein Motel eingezeichnet, wo aber kein Zimmer mehr frei ist und kurz hinter dem Ort ein Hotel was ich kurz vor einem Sommergewitter erreiche.

Das Hotel Pashina Vodenica ist Goldrichtig ich bekomme ein Lächeln zur Begrüßung, kühles Bier gegen den Durst und eine warme Mahlzeit gegen den Bärenhunger. Mein Bett steht heute auf 692mü NN und 16 Km vor der Bulgarischen Grenze

Tagesdaten: 98Km / 7:40 Std. In Fahrt / 1217m Anstieg und 831m Abstieg

Meine Schwester Gabi hat mir ins Gästebuch geschrieben wo ich denn meinen 70ten Geburtstag feiere? So wie es aus sieht bin ich da gerade am Goldstrand vom Schwarzen Meer. Also ich freue mich auf euer kommen.





Donnerstag den 14.06.

Um fünf Uhr gewittert und regnet es immer noch oder schon wieder, das kann ich nicht sagen, denn ich habe tief und fest geschlafen. Als ich starte fisselt es nur noch ein wenig und ich ziehe die Warnweste übers T-Shirt das reicht und ich werde gut gesehen.  

Vor mir die Gewitterfront                                                                Der Blick zurück lässt mich ins Blaue schauen

Grenze in den Wolken, Einreise in das EU Land Bulgarien

Oben auf der Passhöhe bei 1172müNN wo auch die Grenze zwischen Mazedonien und Bulgarien verläuft, sieht man keine zehn Meter weit so nebelig ist es. Auf der nun folgenden Abfahrt mit zwei leichten Steigungen drin, reißt die Nebelwand für einen Moment auf und ich kann einen Blick auf die Landschaft erhaschen.

Momentaufnahme

An der Natur kann ich nicht sehen, dass ich in einem neuen Land bin, aber an den Straßen, Häusern und den Menschen schon. Die erste Pause kann ich um 11:40 Uhr, wieder bei Sonnenschein auf einer Parkbank in der Stadt Kjustendil machen. Nach 9 Km erquickendem Flachland geht es wieder hoch in die Berge. Als ich oben auf der Passhöhe Mittagspause mache zeigt das Garmin 1028m Höhe an. Nach dem ich mich trocknen gelegt habe, nehme ich das letzte Stück der heutigen Etappe nach Pernik unter die Räder.

Wildwiese am See

Um 18:00 Uhr Bulgarischer Zeit (17:00 MEZ) rolle ich durch Pernik und finde in einem Plattenbau, der noch aus der Kommunistischen Ära zu sein scheint ein Hotel. Ich check für eine Nacht ein und gehe anschließend einkaufen. Ein Döner nehme ich mit aufs Zimmer, den ich mit Heißhunger verspeise. Ich hann for hüt die Muur aff. Morgen habe ich es umso besser. Das 35km entfernt liegende Sofia kann ich mir Morgen per Rad anschauen und dabei auf Zimmersuche gehen.

Blick auf Pernik von meinem Hotelzimmer aus

Tagesdaten: 92 Km / 7:35 Std in Fahrt / 1305m Anstieg und 1320m Abstieg




Freitag den 15.06.

Heute in der Früh sieht es nach Regentag aus, aber als ich um kurz nach neun Uhr in den Sattel steige ist die Sonne da. Auf der Schnellstraße nach Sofia, eine andere Möglichkeit habe ich nicht, wird auch schnell gefahren um nicht zu sagen gerast. Vorbei sind die Zeiten der rücksichtsvollen Autofahrer in Mazedonien und Albanien, in Bulgarien weht ein anderer Wind. Auch heute geht es nicht ohne Steigungen ab, auf 870 m mogelt sich die Straße hoch, aber dann geht es die zweite Hälfte der Strecke nur Berg ab bis ins Zentrum der Hauptstadt. 

Was für eine Zahl die Linie 11  

Gut, dass es hier Fahrradwege gibt, denn die Straßen sind meist gepflastert.  

Billa, Lidl und Kaufland alle sind sie hier zu finden.                     Das Guest House „Tha Place“ liegt mitten im                                                                                                            Centrum  

Das Garmin ist mir keine Hilfe aber zweimal nachgefragt und ich stehe vor der Tür der Unterkunft. Die Adresse hatte ich im Internet gefunden aber nicht gebucht. Für heute kann ich hierbleiben, wenn einer absagt auch Morgen noch. 38,- Lew bezahle ich für die Übernachtung und der Dame die sich meiner Schmutzwäsche annimmt bekommt fünf Lew dafür. Mit der neuen Währung Lew ist es relativ einfach klar zu kommen, denn 1€ = 1,95 Lew. Nach dem ich mich geduscht und Stadtfein gemacht habe will ich mir einen ersten Eindruck von der Stadt verschaffen und spaziere erst mal zum Wahrzeichen der Stadt, der“ Alexander Newski Kathedrale“ 

Schon auf dem Weg dorthin gibt es so viel zu sehen wofür man ein paar Tagen braucht um sich alles anzuschauen. Schon auf der Fahrt in die Stadt sind mir die vielen Parks und Grünanlagen aufgefallen. 

Eine außergewöhnliche Terrassenbeschattung                           Wandgemälde  

Auf dem Rückweg kaufe ich noch das nötigste ein dafür habe ich den super leichten und faltbaren Rucksack dabei. Nach dem Abendessen in einem Restaurant ein paar Blocks weiter, setze ich mich vor´s Laptop und schreibe den Report. Wieder mal sitzt der Korken so fest in der Weinflasche, dass ich all meine Kraft aufwenden muss um ihn aus der Flasche zu ziehen. Wenn ich das nicht mehr schaffe trinke ich keinen Wein mehr. 

Meine Kammer unter dem Dach  

Tagesdaten: 30 Km / 2:30 Std in Fahrt / 156 m Anstieg und 371m Abstieg

 

 

 

 

 

 





Samstag den 16.06.

Der junge Mann vom Guest House wollte mir gestern Abend oder heute Morgen Bescheid geben ob einer Abgesagt hat, und ich noch eine Nacht bleiben kann, aber er hat sich nicht gemeldet. Wenn ich ehrlich bin habe ich auch keine Lust mehr auf Stadt ob wohl mir Sofia sehr gut gefallen hat. Also frühstücke ich gemütlich und um neun Uhr verlasse ich das Guesthouse. An der nächsten Ampel kontrolliere ich meine Lenkradtasche, was ich normalerweise schon beim Start mache. Meine Brieftasche fehlt, die hatte ich Gestern Abend rausgelegt als ich essen gegangen bin. Also kehrt marsch marsch und die Brieftasche geholt. Die lag noch da wo ich sie hingelegt habe. Das Navi lotst mich hinaus aus der Großstadt und nach 20 Km auf die Landstraße 6, auf der ich bis zur Hafenstadt Burgas am Schwarze Meer pedalen werde.

Hier geht`s lang

Nach 35km ist das lockere Kurbel drehen vorbei denn die Berge kommen in Sicht und die erste Steigung des Tages liegt vor mir.

Da geht’s hoch

Bei der nächsten Steigung, die hoch auf 800m Höhe führt, mache ich als ich oben bin, Pause am Straßenrand. Nach drei Stunden die Kurbel drehen habe ich Hunger. Ich freu mich schon auf die leckeren Sachen die ich gestern eingekauft habe. Gestärkt und guter Dinge rolle ich um 13:00 Uhr eine schöne Abfahrt runter um nach dem nächsten Dorf wieder hoch zu steigen, dieses Mal auf 920m Höhe. Auf der Fahrt runter durch dichten Laubwald kündigt Donner ein Gewitter an, da braut sich mächtig was zusammen. Die Sonne scheint noch aber es fallen schon dicke Regentropfen. Da sehe ich vor mir eine Gaststätte dort kann ich mich unter die Markisen retten. Hinter der Gaststätte sehe ich kleine Bungalows und frag die Wirtin ob das ein Campingplatz ist. Ja ist die Antwort, da habe ich ja gar nicht mit gerechnet. Nach dem ich Frikadellen mit Pommes gegessen habe, beziehe ich mein Häuschen was für 20,- Lew für eine Nacht mein ist.

Gerade noch rechtzeitig bevor es anfängt zu schütten.  

Nach dem es aufgehört hat zu regnen reinige ich mein Rad und kontrolliere alle Schrauben und Speichen. Das Kettenblatt hat ein wenig Spiel, das muss ich im Auge behalten. Meine Hände sind anschließend schwarz vom Schmier der Kette, da lohnt sich die heiße Dusche richtig. Als ich nach vorne in die Gaststätte gehe um einen Salat zu essen, sprich mich eine junge Frau an in einem knallroten Kleid an, sie fragt ob ich Englisch spreche und wo ich herkomme. Als ich antworte aus Deutschland sprich sie mit mir Deutsch, denn Alexandra Leuker, so ist ihr Name, kommt aus Geldern am linken Niederrhein. Sie ist mit einem Bulgarischen Film Team hier und sie drehen in der Gaststätte einen Film. Ich setze mich nach draußen, denn die Sonne ist wieder da, esse den Salat und unter halte mich mit der jungen Frau in Rot, die Schauspielerin und Sängerin und in Bulgarien unter dem Namen Lexi bekannt ist. 

17Km vor dem Ort Pirdop auf der linken Seite ist der Campingplatz

Tagesdaten: 66 Km / 4:25 Std im Sattel / 595m Anstieg / 529 m Abstieg





Sonntag den 17.06.

Um 7:00hr, bei kühlen 16 Grad, pedale ich weiter auf der Bundesstraße 6 (E 871) Richtung Black Sea. Zum aufwärmen geht es hoch auf 725m. Hier Oben tut sich ein fantastischer Blick ins Tal auf, das noch im morgendlichen Dunst liegt.  

Gespenstig schöner Anblick. Bei solchen Aufnahmen tut sich die Kamera schwer.

Von Menschen gemachter Qualm

In Pirdop

Nach 17 Kilometer kommt der Ort Pirdop. Ich fahre nicht die Umgehung, sondern durch den Ort um noch ein zu kaufen. Hier merkt man nichts davon, dass es Sonntag ist. Der Supermarkt hat sowieso offen und ich bekomme alles was ich brauche. Hier wäre mein gestriges Ziel gewesen, wenn nicht der Regen und der schöne Campingplatz dazwischengekommen wäre. Ein Schild für ein Hotel und eins für ein Guest House sehe ich. Eine weitere Übernachtungsmöglichkeit ist 9 Km hinter Pirdop (Abfahrt Anton, nicht der aus Tirol) ein Gasthof mit Betten und Wifi so steht es auf der Reklametafel.

Nun geht es eine lange gut fahrbare Steigung hoch und genauso wieder runter. Bei 1113m ist der Scheitelpunkt erreicht, wo ich ein paar Meter tiefer an einem Rastplatz mit Tisch, Bank und Wasserstelle, Pause mache.

Traumhafte Ausblicke tun sich immer wieder auf.

Bei der folgenden Abfahrt die vom Gefälle optimal ist, weil ich kaum bremsen muss, führt die Straße mittels mehreren Brücken über verschiedene Schluchten ins Tal bis zum Ort Sopot, der 6 Km vor meinem Ziel liegt.

Das muss wohl ein großer Mann gewesen sein hier in Sopot

Es beginnt zu regnen, der typische Nachmittag Gewitterregen. Zuerst stelle ich mich in ein Bushäuschen, als es aufhört zu regnen fahre ich weiter. Prompt fängt es wieder an und ich bin Pitschnass als ich in der Stadt Karlovo ankomme und direkt an der Straße No. 6 das Hotel Hanat sehe. Hier hat man für 40,-Lew ein schönes Zimmer mit Wifi für mich.

Mein Hotel für heute, das Transparent über der Straße habe ich erst später beim Spaziergang durch die Stadt gesehen.

Tagesdaten: 78 Km / 5:25 Std. im Sattel / 793m Anstieg und 927m Abstieg





Montag den 18.06.     Heute hat mein Kegelbruder Udo Geburtstag

Gestern Abend, ich sitze im Restaurant beim Essen da läuft im Radio eine Fußball Reportage. Deutschland - Mexiko wie ich erfahre. Auf dem Zimmer schaue ich mir noch die spannenden letzten 15 Minuten an. Leider verloren Jungs, aber gegen die Schweden bin ich von Anfang an dabei und drück die Daumen dann klappt das schon.  

Heute Morgen habe ich es nicht eilig, denn mein heutiges Ziel die Stadt Kazanlak die im Rosen Tal liegt, ist nur 60 Km entfernt. Gestern bei meinem Streifzug durch die Stadt habe ich in einem Sportgeschäft ein schönes T-Shirt gesehen. In etwa gleich wie das gelbe Shirt das ich habe und dass total verschlissen ist. Die vier Löcher auf dem Rücken stören mich nicht, die sehe ich ja nicht, aber bis Gabi kommt brauch ich ein neues Shirt, sonst sagt sie zu mir „wie löpps du den erömm“. Leider hat der Laden erst um zehn Uhr geöffnet. Noch eine Stunde warten ist mir zu viel also düse ich los. Da die Straße No.6 zwischen dem Balkangebirge links, und dem Sedna Gora Höhenzug rechts verläuft, sind Anstiege an der Tagesordnung, aber umso näher ich dem Meer komme umso flacher werden sie.

Heute bleibt das mein einziger Anstieg.

Der Mischwald durch den die Serpentinen Straße hoch führt ist so dich wie ein Urwald. Die Natur scheint förmlich zu explodieren, kein Wunder jeden Nachmittag Regen und Temperaturen um die 25-30 Grad.

Auf der Passhöhe ein im traditionellem Stiel erbautes Haus das ein Hotel und Gaststätte beherbergt.

Die Täler haben fruchtbare Böden. Ich sehe Getreide und Kartoffelfelder, riesige Sonnenblumen Anpflanzungen und Lavendel der gerade abgeerntet wird.

Wo Feuchtgebiete und Seen sind fühlen sich die Störche wohl und kommen jedes Jahr zur Aufzucht ihrer Jungen zurück.

Um 13:00 Uhr erreiche ich die Innenstadt von Kazanlak. Im ersten Hotel wo ich nachfrage muss ich mit dem Rad in den Vierten Stock, nein danke.

Ein paar Nebenstraßen weiter findet mein Freund Garmin was Passendes für mich. Ein schnuckeliges Hotel, nette Wirtin und mein Rad steht sicher auf dem Innenhof. Ein Lebensmittelladen und ein Restaurant sind ganz in der Nähe. Was will man mehr.

Tagesdaten: 60 Km /4:10 Std. im Sattel / 381m Anstieg und 413m Abstieg