Mai 2017  Indien




Montag den 01.05.2017

Heute Morgen klappt es auch mit dem Wetter denn kein Wölkchen ist am Himmel zu sehen als ich um 6:45 Uhr am Ticket Schalter stehe. 1000,-INR muss der Tourist berappen. Gestern schon 550,- INR fürs Rote Fort. Agra ist ein teures Pflaster.

 

Der Taj Mahal steht als einzig artiges Symbol der Liebe.

Noch im selben Jahr in dem die geliebte Hauptfrau Mumtaz Mahal des Großmogul Shah Jahan bei der Geburt ihres 14. Kindes verstarb, begannen die Bauarbeiten zu diesem einzigartigen Grabmal und wurden im Jahr 1643 beendet. Man betritt die Anlage durch eine der drei Eingänge. Den West, Süd oder wie ich durch den Osteingang.

Das Eingangsgebäude

Von hier aus hat man einen schönen Ausblick auf die 18 Hektar Gartenanlage und den Taj Mahal

Im Neben Gebäude rechts vom Grabmal                   Bloß weg hier jetzt kommen die Touristen

Blick vom Nebengebäude

Die Grabmoschee steht auf einer 100x100 Meter Plattform aus Marmor. Das Gebäude ist 58m Hoch und 56 Breit. Die Vier Minarette haben eine leichte Neigung nach Außen, das soll bezwecken das im Falle eines Erdbebens diese nicht aufs Hauptgebäude stürzen.

Das sind schon gewaltige Ausmaße und trotzdem wirkt das Gebäude filigran. Das Baumaterial wurde aus dem ganzen Land mit mehr als 1000 Elefanten hierhergebracht. 20.000 Menschen waren auf der Großbaustelle beschäftigt, das alleine ist schon eine logistische Meisterleistung.

Fotografieren verboten.

Das Grabmal betritt man durch den Eingang. Dann kommt man in einen Vorraum, der sich einmal um die Grabstätte zieht. Dann kommt man zur eigentlichen Grabstätte. Hinter filigran gearbeiteten Gitterwänden aus durchbrochenen Marmor stehen die beiden Sarkophage vom Großmogul und seiner Ehe Frau. Das sind aber nur Scheingräber denn die Richtigen befinden sich in der Krypta.

Einlegearbeiten

In den Marmor wurden 28 Edel und Halbedelsteine eingelassen.

Das linke Gebäude ist eine Moschee und ist gegen Mekka ausgerichtet.

Im Inneren der Moschee

Um den Taj Mahal ranken sich so viele Geschichten und Legenden. Zu den Grauslichen gehört die Sage, dass nach Vollendung des Baus alle Architekten hingerichtet wurden und die Handwerker die rechte Hand abgehackt bekamen um einen Nachbau durch andere Herrscher zu verhindern.

Um 9:30 wandere ich voll mit neuen Eindrücken zurück zur Unterkunft.

Das war ein unvergleichliches und unvergessliches Besichtigungserlebnis Heute. Morgen Pedale ich weiter zur Geburtsstätte der Hindu Gottheit Krishna der Stadt Mathura.

Dienstag den 02.05

Die ganze Belegschaft vom Hotel ist angetreten als das Rad beladen ist und ich mich verabschiede. Ein preiswertes und gutes Hotel mit nettem und freundlichem Personal, dass ich da über Booking.com gebucht habe.

Der morgendliche Verkehr ist heute mal wieder ein Kampf “ Jeder gegen Jeden“ und fast 25 Km dauert es bis sich die Lage beruhigt. Es wird rücksichtslos und aggressiv gefahren, jeder sucht seinen Vorteil und keiner hält sich an irgendeine Regel.

Ein seltenes Gespann

Nach 61 Km bin ich schon in Mathura der Geburtsstadt vom Hindu Gott Krishna. Nach meiner Teepause beginnt der Tempel Marathon. Heute könnte ich mindestens 20 verschiedene Tempel ablichten und das wäre nur ein Bruchteil der vorhandenen gewesen.

Den Krishna Tempel schaue ich mir etwas näher an. Über Lautsprecher ist das gesungene Gebet zu hören, welches bei mir die Erinnerung an meine Jugendzeit zurück bringt. Hare Krishna Krishna Krishna … damals gesungen von George Harrison.

Die Stadt ist voll, laut und schmutzig also schaue ich mir den Platz an wo Krishna seine Jugendzeit verbracht hat, die Stadt Vrindavan, welche heute das Pilgerzentrum Vishnu der Hindu ist. Hier hört man fast aus jedem dritten Haus Gebete und Gesänge. Fast eine Stunde fahre ich kreuz und quer durch die Stadt bevor ich mir eine Unterkunft suche. Nach 16 Uhr besuche ich eine große Tempelanlage die ich mittags schon sehr interessant fand aber die bis 16:00 Uhr geschlossen hatte.

Der Eingang zum Tempel der festungsartig mit einer hohen Mauer umgeben ist.

Als ich nach 16:00 Uhr komme ist das Tor weit geöffnet.

Eine von mehreren heiligen Hallen, in denen die heiligen Statuen nicht fotografiert werden dürfen.

Tür  und Tor 

Auf dem Weg zurück zur Unterkunft verteilt die Hilfsorganisation „ Sriraha Mohan“ kostenlose Essensportionen zwei Frauen aus Europa helfen dabei. Ich möchte nur ein Foto schießen, muss dann aber vom Essen kosten. Die zwei Sorten Thali haben mir gut geschmeckt.

Die junge Frau kommt aus Italien

 

Mittwoch den 03.05.17

Da ich am Abend keine stabile Leitung hatte, kann ich erst heute Morgen um 4.00Uhr die Daten an Ingo schicken. Das Hotel in Greater Noida buche ich auch noch, bevor ich um 6 Uhr15 das Hotel verlasse und mich aufs Velo schwinge.

Morgensonne über dem Yamuna River

Nach dem ich auf dem Yamuna Expressway bin, der wohl eine Autobahn ist, könnte ich ganz entspannt fahren, wenn da nicht dieses komische Gefühl wäre „Du fährst auf einer Autobahn“. An der Mautstation werde ich aber freundlich durch gewunken was mich beruhigt.

Da denke ich noch „29Km habe ich schon und 90 km brauche ich nur noch“

Was mir auf fällt ist die 20km Differenz zwischen Kilometerstein und Hinweis Schild über der Autobahn, aber was soll´s. Die Vorteile der Autobahn liegen auf der Hand schnell längere Distanzen überbrücken ohne Kühe oder Gegenverkehr.  Nach 59 Km mache ich Pause auf dem Randstreifen der Autobahn. Gerade packe ich zusammen da kommt die Polizei. Der Chef ist ein Sikhs zu erkennen an dem Turban. Hier darf ich nicht fahren das ist viel zu gefährlich meinen die vier Mann hohe Besatzung des Fahrzeuges. Ich glaube die waren noch nie mit dem Rad auf Indiens Straßen unterwegs. Sicherer als auf der Autobahn kannst du nirgendwo anders fahren. Auch das an der Mautstation man mich durch gewunken hat erntet bei den Herren nur verständnisloses Kopf schütteln. Sie bleiben bis zur Ausfahrt Tapal immer im gebührenden Abstand hinter mir. 70 Km Autobahn liegen hinter mir noch bin ich ja zuversichtlich, was aber nicht lange anhält. Die nächsten 15 Km sind die Schlimmsten die ich auf bisher auf Indiens Straßen zurückgelegt habe. Auf einem Staubacker mit LKW Stau und mehreren Unfällen quäle ich mich meist schiebend durch bis zu der Brücke über den Yamuna. Ab hier ist der Straßenzustand wieder für indische Verhältnisse normal. Kurz hinter Palwal mache ich Mittagspause denn nach 6 Stunden Fahrt brauche ich eine Auszeit. Anschließend weiter bis 15 km vor Delhi wo der Bypass kommt von dem man mir gesagt hat, da geht es nach Greater Noida. Ein heftiger Gewitterregen zwingt mich an einem Boddle Shop, ein Bier lang Pause zu machen. Wie erfrischend kann doch ein Gewitterregen sein.

Drenk doch ene mit stell disch net esu an…

Die Arbeiter müssen Rohre in einem Graben verlegen aber der Müll und die Kühe machen das fast unmöglich. Endlich sehe ich das erste Hinweisschild Noida und ich wähne mich schon am Ziel dieser heutigen Odyssee bis man mir sagt nach Greater Noida sind es noch mindestens 25 Km. Da ich schon 160 km auf dem Tacho habe und es langsam dunkel wird, frage ich einen Tuk Tuk Fahrer und nach langen verhandeln bringt er mich zum Hotel „ House of Comfort“

Es sind 20:15 Uhr als ich auf dem Zimmer bin mich Dusche und das bestellte Essen mir einverleibe. Nach dem ich beim Schreiben des Tagesberichts auf dem Bett eingeschlafen bin, werde ich um 1:45 Uhr wach, schreibe ich diesen Bericht fertig und schick ihn auf die Reise. Jetzt ist es 2:15 Uhr Gute Nacht.

Tagesdaten: 160 Km / 9:40 Std Fz. / 309m Anstieg / + 22 Km mit dem Tuk Tuk

Donnerstag den 04.05.

Den Wecker habe ich mir für acht Uhr gestellt doch ich bin schon um sieben wach. Bevor ich Frühstücken gehe habe ich mein Rad unter der Dusch vom Staub der Piste befreit und mein Raddress hängt schon zum Trocknen auf der Leine. Das Frühstück ist gut und im Preis enthalten wie auch wie gutes Wifi. Das Zimmer mit Bad ist sehr schön eingerichtet, mit Fenster und so groß da passt mein Rad noch mit hinein.

Mein Smartphone bzw. die Simcard funktioniert nicht, wie ich gestern gemerkt habe als ich im Hotel anrufen wollte. Wie ich feststelle, passiert das immer, wenn ich von einem in den anderen Bundesstaat Indiens wechsle. Also suche ich mir wieder mal einen Vodafon Shop der das Problem schnell behoben hat und der meine Theorie bestätigt.

Sieht schon nach Hauptstadt nähe aus

Am Nachmittag gehe ich in die Stadt die ca. 5 Minuten entfernt liegt. Man sieht direkt den Unterschied, alle Straßen sind asphaltiert und die Müllbeseitigung scheint auch zu funktionieren. Die Einzigen die sich hier anscheinend nicht wohlfühlen sind die Kühe, denn ich habe noch keine gesehen. Da ich losen Tee gekauft habe brauche ich ein Sieb. Es ist schon lustig sowas zu kaufen, wenn man nicht weiß wie es heißt. Da ich ja gut Zeichnen kann bringe ich die Situation zu Papier, wenn man von der Teekanne durch ein Sieb den Tee in die Tasse schüttet und es klappt, jetzt habe ich ein Sieb.

Meinen Freund Anda aus dem Dogonland in Mali der hier in Greater Noida studiert, erreiche ich erst am Nachmittag und wir wollen uns morgen Treffen, da freue ich mich schon drauf.

Freitag den O5.05.

Heute Abend rollt wieder die Kegelkugel in Dülken und der King ist nicht nur bei mir in besten Händen.

Gut Holz

Leser die meine Reise schon länger verfolgen können sich sicher an Mali (Westafrika) und das wunderschöne Dogonland erinnern, das ich mir vom O9.01 – 13.01.2016 angesehen habe.

Mit Anda Napo, den ich dort kennen gelernt habe, ist der Kontakt nie abgerissen. Ich war schon mit Ingo in Myanmar als er mir eine E-Mail sendet, dass er ein Stipendium in Indien bekommen hat. Als ich dann las das er in der Nähe von Delhi studiert stand für mich fest den besuche ich da und heute treffen wir uns wieder. Er studiert hier in Greater Noida und deshalb habe ich diesen Umweg gemacht.

Anda bringt mir ein Gastgeschenk aus seiner Heimat mit. Eine Halskette und ein Armband welches ich Pamela mitbringen soll. Da Anda auch Deutsch lernt und hier in Indien kein deutsches Buch hat schenke ich ihm meinen Myanmar Reiseführer. Anda fragt mich ob seine Freundinnen und Freunde mich sehen und mit mir reden könnten, denn sie glauben ihm das nicht mit der Weltreise was er ihnen erzählt hat.

Seine Kommilitonen löchern mich mit Fragen. Auf meinem Laptop rufe ich die Seite auf und zeig ihnen die Bilder von Mali und es wir fast andächtig still. Als die Truppe sich verabschiedet hat, lade ich Anda in ein schickes Restaurant ein. Dort erzählt er mir, dass er in den drei Monaten wo er in Indien ist noch nie Essen war und immer selber gekocht hat. Er erzählt mir von seiner Heimat und dass durch die Überfälle der Terroristen der Fremdenverkehr ganz zum Erliegen gekommen ist. Am Hotel verabschieden wir uns und versprechen uns Kontakt zu halten.

Anda ein sehr netter höflicher junger Mann. 

Als die Hitze nachlässt gehe ich in die Stadt mache die letzten Besorgungen, den Morgen will ich Früh los bevor der Mordsverkehr beginnt.

Samstag den 06.05.17

Zwanzig Minuten nach Sechs zeigt die Uhr an als ich meinem Norwid die Sporen gebe. Das frühe Aufstehen wird durch ruhigen Verkehr belohnt, jedenfalls für die ersten beiden Stunden. Nach 30 km werde ich wieder von einem Polizisten der Fahrbahn verwiesen. Diesmal sah die Straße aber gar nicht nach Autobahn aus. Aber was soll´s, zum Glück habe ich ein Garmin das mir direkt eine Alternative aufzeigt und ich weiter gut vorankomme. Andere Radler mit denen ich mich unterwegs unterhalten habe sagen zu mir, warum fährst du solche Transitstrecken nicht mit Bahn und Bus? Ich bin der Meinung zum Long Distanz Biken gehört sowas dazu. Das schöne Gefühl ein Land mit dem Rad durchquert zu haben ist dann futsch. Am Red Fort treffe ich auf eine alte Bekannte, die NH1 die hier „Grand Trunk Road“ heißt. Das Verkehrsaufkommen ist mittlerweile mächtig angestiegen.

Ruhender (im) Verkehr

Kaum zu glauben das man bei dem Lärm, Gestank und in der prallen Sonne schlafen kann

Um zehn Uhr stehen 66 Km auf meinem Tacho und es wird Zeit für eine Pause. Eine schattenspendende Bushaltestelle ist meine Pausenstation. Kurze Zeit drauf quatscht mich ein junger Mann auf einer Royal  Enfield von der Seite an. Als er hört, dass ich aus Germany komme spricht er mit mir Deutsch. Amit lernt am Goethe Institut in Delhi die deutsche Sprache wie er mir erzählt.

Er schreibt mir seine Daten ins Tagebuch und er meint, wenn ich irgendwie Hilfe brauch soll ich ihn anrufen. Das ist doch nett oder.

High Noon und ich bin schon an meinem für heute angedachten Ziel dem Ort Sonipat. Es ist einfach zu früh und ich fühle mich noch topfit also weiter geht`s.

Den Typ gibt es auch schon seit 1948

Eine Pause braucht mein Körper denn noch auch wenn es nicht ganz so heiß ist wie die letzten Tage, aber bei 44 Grad muss mein Body mal eine halbe Stunde im Schatten abkühlen. Die letzten 12 Km bis zur Stadt Panipat sind dann nur noch ein leichtes Ausrollen, wo ich auch auf Anhieb eine gute Unterkunft finde.

Hindu Gottheiten Rama und sein General Hanuman

Mit den Hindu Gottheiten habe ich so meine Probleme die sehen aus wie Fabelwesen und es gibt so viele davon.

Tagesdaten: 134 Km / 7:20 Std. in Fahrt / 227m Anstieg

Sonntag den 07.05.

Morgens bei einer Tasse Kaffee schaue ich mir immer die Radtraumseite an und anschließend ob ein neuer Eintrag im Gästebuch ist. Amit hat mir schon geschrieben ein fixer Junge. Mit dem frühen Start wird das heute Morgen nichts denn wie ich mein Rad beladen will sehe ich den Plattfuß hinten. Vier Leute vom Hotel schauen mir aufmerksam zu als wenn ich am offenen Herzen operieren würde. Ein von mir so gefürchteter Draht von zerfetzten LKW Reifen war die Ursache.

Der Highway ist der Gleiche wie gestern, nur heute fahre ich fast ausschließlich auf der Straße die links neben der Haupttrasse verläuft. Da ist es nicht so laut und ich kann das bisschen Schatten was da ist nutzen.

Die Inder mögen es Bunt und vieles ist nur Fassade, wenn man genauer hinschaut

Heute hatte ich auch eine sonderbare Begegnung. Weit vor mir sehe ich ein Fahrrad mit Radtaschen und sehe direkt das ist ein Touren Fahrer. Als ich ihn eingeholt habe und neben ihm fahre, frage ich ihn ob er ein Inder sei denn er ist angezogen wie der Prinz von Mumbay. Nein er ist Engländer sagt der junge Mann der sein Gesicht hinter Turban und Sonnenbrille verbirgt. Er hält noch nicht einmal an und kurbelt weiter. Ein komischer Vogel da treffe ich seit Nepal mal wieder einen Radler und dann sowas.

„Jedde jeck is annersch“

Ein kleiner Tempel wo auch meist eine Wasserleitung ist

Mein heutiges Ziel die Stadt Ambala kommt in Sicht aber die letzten 15 Km ziehen sich wie Kaugummi. In der Stadt hält vor mir an einen der zahlreichen Saft Shops ein junger Mann auf seinem Motorroller. Er winkt mich heran und wir erfrischen uns mit einem Glas Saft. Danach lotst er mich durch die Stadt bis zum Zentrum.

Ein netter Helfer

Die Hotelsuche gestaltet sich schwierig und zeitraubend so dass ich erst um 16:00 Uhr auf meinem Zimmer im Hotel Malik bin.

Tagesdaten: 123 Km / 7:20 Std in Fahrt / 186m Anstieg

Montag den 08.06.

Heute gelingt mir der Frühstart und es ist sehr ruhig auf der Straße. Auf dem Weg hinaus aus der Stadt schaue ich mir noch zwei Tempel an.

Alter Tempel. Es passiert mir immer noch, dass ich innerlich zusammen zucke wen ich die Hakenkreuze sehe

Neuer Tempel

Gerade bin ich eine gute Stunde unterwegs da erwischt mich wieder der Pannenteufel. Wieder das Hinterrad und wieder der ätzende Draht. Als ich wieder im Sattel sitze kommt Wind auf und genau aus der richtigen Richtung. Eine Stunde fliege ich nur so über den Asphalt und hole so wieder die Pannenzeit raus. Zur Pause habe ich in 3 Std. 64 Km auf dem Tacho stehen.

Da sitzt doch einer neben mir der mir irgendwie bekannt vorkommt.

Mittlerweile habe ich auch den nächsten Bundesstaat von Indien, den Punjab erreicht

Die ganze Gegend ist voll mit Landschaft doch es ist nichts Aufregendes dabei, aber das wird sich schon in ein paar Tagen ändern. Um 13:00 Uhr rolle ich schon durch Ludhiana und im Gegensatz zu gestern finde ich direkt ein Hotel im Zentrum. Nach dem das Zimmer bezogen ist, ich geduscht bin, mache ich auf die Suche nach Lebensmitteln. Brot, Eier, Joghurt, Obst und Wasser kann ich anschließend mein Eigen nennen.

An der Garküche esse ich mir eine Kleinigkeit und komme auch direkt ins Gespräch mit den beiden Chefs. Als ich anschließend bezahlen will sagen sie zu mir ich war eingeladen. Ich bedanke mich herzlich, das ist doch eine nette Geste. Auch hier in Indien ist es so, dass sich die Gesichter aufhellen, wenn die Menschen hören, dass ich aus Deutschland komme.

Zwei im Gespräch vertieft

Morgen steht eine Kurztour von 62 Km auf dem Plan zur Stadt Jalanhar.

Tagesdaten: 111 Km / 5:40 Std in Fahrt / 121m Anstieg

Dienstag den 09.05.

Heute lasse ich es ruhig angehen und trete erst um kurz vor Sieben in die Pedale und radele zur Stadt hinaus.

Die Stadt Autobahn führt stellenweise so dicht an den Häusern vorbei, da musst du vorsichtig sein, wenn du den Kopf aus dem Fenster steckst

Hindu Tempel vor der aufgehenden Sonne sieht fast mystisch aus

Ab und zu sieht man hier auch katholische Kirchen meist mit großen Schulkomplex daneben

Hier im Bundesstaat Punjab ist alles ein wenig neuer, größer und moderner. Zahlreiche riesige Hotel Paläste liegen rechts und links der Straße. Ortsanfang von Jalandhar haben viele deutsche Nobel Marken eine Niederlassung.

Das Welt Rad

Zum Pari Guesthouse, das ich gestern noch gebucht habe, muss ich mich durchfragen was aber kein Problem ist.

Das Hinweisschild ist kaum zu übersehen.

Arbeiter sind dabei die Straße zu verbreitern das heißt rechts und links werden Vorbauten und Teile vom Haus zurück gebaut, im wahrsten Sinne des Wortes. Da gehen viele unwiederbringliche Bausubstanz verloren.

Wie diese schön verzierten Erker

Am Nachmittag spaziere ich durch das Bazar Viertel tätige meine Einkäufe und gehe Essen. Es gibt viel zu bestaunen und ich werde bestaunt. Nicht viele Touristen scheinen sich hier hin zu verirren.

Das trägt der Inder, (Herr, Frau und Kind) heute zu Festlichkeiten.

Morgen möchte ich die ca. 120 Km bis Pathankot schaffen. “Schauen wir mal“

Tagesdaten: 65 Km / 3:25 Std / 101m Anstieg

Mittwoch den 15.05.  

Wieder bin ich früh auf dem Rad, so sind die Temperaturen noch um die angenehmen 30 Grad.

Warten am Bahnübergang

Ich zähle schon die Tage bis es in die Berge geht, wo ich mir angenehmere Gradzahlen erhoffe. Bessere Luft und interessante Landschaften.

Alle meine Ziele für die nächsten Tage auf einen Blick

Von Jalandhar bin ich jetzt nicht mehr auf der Transitroute nach Pakistan, sondern auf der NH44 die in den nächsten Bundesstaat nach Kaschmir führt. Das macht sich auch beim Verkehrsaufkommen bemerkbar. Zehn Kilometer vor dem Ziel kommen auch die ersten Hügel in Sicht wo ich rüber muss. Meine Muskeln sind überrascht, nach so viel Flachlandpedalerei, jetzt eine nette Steigung.

Der Blaue

Als ich die Anhöhe erreicht habe steht dort der Blaue neben seinem Tempel und er spricht zu mir: Das war nur der Anfang und ein winziger Vorgeschmack auf das was dich im Himalaya erwartet denke an diese Worte und nun schleich Dich.

Noch ganz in Gedanken rolle ich den Berg hinab und erreiche auch bald schon mein Quartier.

Das Hotel Parag eines der günstigsten mit 580,- INR

Nach dem das Zimmer bezogen ist gehe ich im Restaurant des Hauses essen. Morgen eine letzte Flachlandetappe  bevor es nach einer Pause in die Berge geht.

Tagesdaten : 115 Km / 6:10 Std. in Fahrt / 256m Anstieg

Donnerstag den 11.05.

In der vergangenen Nacht muss es kräftig geregnet haben den als ich um kurz vor Sechs losfahre stehen noch riesige Pfützen auf der Straße. Der Himmel ist wolkenverhangen und kühle 25 Grad. Auf der NH1A überquere ich den Grenzfluss Ravi und bin nun im Bundesstaat Jammu-Kashmir.

Ich bin gespannt auf das Paradies was hier angepriesen wird

Aber zuerst muss ich mal wieder mit so banalen Problemen wie, kein Empfang auf dem Smartphone nach Grenzübertritt, rumschlagen. In der Stadt Samba gehe ich in einen Vodafone Shop und trage mein Problem vor. Als ich ihnen meine Route durch den Himalaya erklärt habe und die mich ganz ungläubig anschauen und dann auf das bepackte Fahrrad vor der Tür, empfehlen sie mir eine Simcard von Airtel die würde auf der Tour überall funktionieren. Für 374,-INR erstehe ich die Simcard 28 Tage Free Call  India & Internet. Ehe alles geregelt ist sind es auch schon 12Uhr und ich merke als ich den Shop verlasse, die Sonne ist wieder da. Dadurch klettern die Temperaturen schnell auf 40 Grad aber nicht höher.

Am Raghunath Tempel

Um 16:00 Uhr bin ich schon in der Altstadt von Jammu und mit Garmin finde ich das Hotel was ich gestern noch gebucht habe auf Anhieb. Nach dem ich mich in meinem Zimmer häuslich niedergelassen habe gehe ich durch die Altstadt und esse eine Kleinigkeit an einer Straßenküche und bestaune die alten Häuser und tollen Geschäfte in der Altstadt.

Schöne alte Fassaden

Ein Geschäft wo es nur Nüsse zu kaufen gibt

Die Stadt und das Viertel wo ich untergekommen bin, gefällt mir und eine Pause können meine strapazierten Muskeln jetzt auch gut gebrauchen.

Tagesdaten: 113Km / 7:45 Std. in Fahrt /461 m Anstieg

Freitag den 12.05. 

Die zwei Tage stehen ganz unter dem Motto „Ruhe und Erholung in Jammu“. Die sechs Tage von Greater Noida bis Jammu haben ganz schön geschlaucht. 659 Km bei Temperaturen zwischen 30 und 45 Grad sind schon anstrengend und die monotone Landschaft ist nicht gerade förderlich für die Motivation.

Ab Übermorgen geht es in die Berge und für den Einstieg, die Etappe von Jammu nach Srinagar, habe ich 3,5 Tage veranschlagt was gut zu schaffen sein müsste. „Ich freue mich drauf “

Natürlich werde ich heute Morgen so gegen 4 Uhr wach, die gewohnte Weckzeit der letzten Tage, dann ist es doppelt schön sich einmal rumdrehen zu können und weiter zu schlafen. Nach dem Frühstück und der Wäsche suche ich mir einen Frisör meines Vertrauens und lasse mir die Haare schneiden und mich rasieren. Daran könnte ich mich schon gewöhnen, sich morgens rasieren zu lassen das bekommt man selber nicht so hin. 50,- Haarschnitt +50,-Rasur (ca. 0,90 €)

Er hat seine Sache gut gemacht.

Hier beim Bummeln durch die Stadt finde ich auch eine lange Baumwollhose wo ich schon länger nach Ausschau halte. Die eine Hose die ich mit habe, ist etwas zu lang die lasse ich nun beim Schneider kürzen und ein T-Shirt flicken. 70,- INR

Die manuelle Arbeit ist hier spottbillig

Nach dem Mittagessen ist Siesta angesagt, die einem bei den Temperaturen auch guttut.

Am späten Nachmittag schlendere ich durchs Viertel und Esse an einer islamischen Garküche heiliges Rindfleisch, auf offener Flamme kein Problem für den Darm.

Der Grillmaster                                                       Alt in Neu

Am Abend buche ich schon meine drei Übernachtungen in Srinagar. Da ich am Dal Lake auf einem Hausboot übernachten will und Mai und Juni hier Hochsaison ist, gehe ich auf Nummer sicher. Mit dem Vermieter spreche ich über Telefon, ob es ein Problem ist, weil ich ja mit dem Fahrrad komme.

Kein Problem sagt er und ich bin stolz wie ich das mal wieder mit meinen bescheidenen Englisch Kenntnissen hinbekommen habe.  

Samstag den 13.05.

Auch am letzten Tag in Jammu mache ich auf Schusters Rappen einen ausgedehnten Spaziergang durch die Stadt. Doch zuerst möchte ich mir mal den Raghunath Tempel von oben anschauen. Vom Dach meines Hotels versuche ich es aber es ist nicht hoch genug.

Der Eingang des Raghunath Tempel

Der Eingang wird vom Militär schwer bewacht. Man darf nichts mit hineinnehmen und man muss durch eine Sicherheitsschleuse. Fotografieren vor dem Eingang und innen verboten. Da habe ich schon keine Lust mehr auf Besichtigung.

Die weitläufige Tempelanlage.

Von einem Hoteldach gegenüber vom Tempel verschaffe ich mir einen Überblick. Anschließen gehe ich durch das Christenviertel durch enge und steile Gassen und lasse mich von meiner Neugier leiten.

Eingang zum Christenviertel                                    Eine schöne Tür

Die St. Pauls Church schaue ich mir mal von innen an

Eine Kirche zu finden ist schon Glücksache, im Gegensatz zu den Hindutempeln die in großer Zahl, alt oder neu, klein und groß, überall zu sehen sind.

Große neue Tempelanlage

Selbsternannter Tempelwächter

Durch den Basar gelange ich wieder zurück zum Hotel.

Morgen verlasse ich Jammu, die Stadt ist wegen ihres milden Klimas, traditionell die Winterhauptstadt des Bundesstaates Jammu - Kaschmir und Pedale nach Srinagar der Sommerhautstadt die in einem Hochtal mitten im Himalaya liegt.   Wer kommt mit?

Start des dritten und letzten Teils der Indienreise.

Sonntag den 14.05.17

Da sich keiner gemeldet hat fahre ich alleine los. Das Navi zeigt mir den kürzesten Weg an durch die gerade erwachende Stadt.

Blick auf den Tawi River, der von der aufgehenden Sonne in ein silbernes bis goldenes Licht getaucht ist.

Von der ersten Kurbelumdrehung an heute Morgen ist klar was Sache ist, Höhenmeter sammeln steht auf dem Programm. Nur der die Berge liebt und der die Fahrt durch ihre sich immer wieder aufs Neue verändernde Landschaft kennt, kann das nachvollziehen.

Die nächsten Ziele, wobei ich ca. die Hälfte der Fahrt durch das Himalaya Massiv erst hinter mir habe, wenn ich in Leh bin.

Pause am Kalika Tempel

Die Fahrt ist so kurzweilig das mich mein Magen an die fällige Teepause erinnern muss. Um die Mittagszeit lasse ich Udhampur links liegen, denn es ist mir zu früh um schon die Beine hochzulegen. Nach sechs Stunden Kurbelarbeit mache ich Mittagspause. Auch wenn das Thermometer nicht mehr über die 40 Grad Hürde kommt, ist es gut mal eine Stunde im Schatten und mit Hilfe von Ventilatoren abzukühlen.

Die NH 44

Auch die Baustelle die kurz hinter Udhampur begonnen hat, macht das Pedalen schwierig. Staub, Schlaglöcher die schmale Straße und der teilweise rücksichtslose Fahrstiel fordern meine volle Konzentration. Da kommt mir das Hotel „Pine View“ gerade zum rechten Zeitpunkt. Erst will man mir fürs Zimmer den Fantasiepreis von 2700,-INR abverlangen aber da der nächste Ort in 6 km Entfernung mehrere Hotels hat, habe ich eine gute Verhandlungsbasis.  Ein Zimmer mit Weitblick bekomme ich dann nach langen hin und her für 900,- INR. Jetzt kann ich die Beine hochlegen es ist 16:00 Uhr und die aktuelle Höhe liegt bei 1049mü.NN.

Dahinten geht’s Morgen lang.

Tagesdaten: 86 km / 7:30 Stunden / 1286m Anstieg / 650m Abstieg

Montag den 15.05.

Angenehme 22 Grad sind es als ich heute Morgen losfahre. Nach 5,2km kommt der neue Tunnel in Sicht, er ist für Fahrradfahrer gesperrt. Gestern hatte ich im Internet noch über den Tunnel gelesen, er ist mit 8,8 Km Indiens längster Tunnel. Ich nehme die alte Passstraße die bis zum Ende des Tunnels 47km lang ist und auf Passhöhe man sich knapp über 2000m befindet.

Die Einfahrt zum neuen Tunnel

Das erste Passbild auf 2035müNN.

Hier laden mich ein Hotelbesitzer und seine beiden Freunde in sein Hotel ein, Kost und Logis frei. Aber es ist erst 12:00 Uhr und 26 Km stehen auf dem Tacho. Ich lehne dankend ab was mir auch ein wenig Leid tut. Es folgt eine 40 km Abfahrt bis nach Ramban, meinem heutigen Ziel, das auf 708 m liegt.

Nomaden auch auf dem Weg nach unten

Die Landschaft erinnert mich schon ein wenig an Europa mit ihren ausgedehnten Kiefernwäldern und zahlreichen Bächen die sich ihren Weg nach unten suchen. Die Abfahrt unterbreche ich immer wieder und kühle mit Wasser die Felgen. Einen unfreiwilligen Halt muss ich einlegen um an meinem Laufrad hinten den Schlauch zu wechseln. Ein kleines Loch in der Flanke vom Schlauch finde ich am Abend beim Flicken.

Immer wieder tun sich neue grandiose Ausblicke auf.

 Die letzten 6 Kilometer fahre ich im Dauerregen bis ich im Ort Ramban ein Quartier finde.

Tagesdaten: 67Km / 6:45 Std in Fahrt / 1112m Anstieg und 1472m Abstieg bewältigt

Dienstag den 16.05.

Es ist 19Uhr 30, ich habe gut gegessen, nun sitze ich vor dem Laptop und tippe den Tagesreport ins Schreibprogramm. Dass es heute eine Kletterpartie werden würde wusste ich aber als ich die Daten vom Garmin sehe, 1716m Anstieg und 695m Abstieg, habe ich mich selber ein wenig erschrocken.

Gestern habe ich noch im Hotel nachgefragt wegen der Abfahrtszeit 6Uhr 30. Kein Problem heißt es, den Spruch hat hier in Indien fast jeder drauf und wendet ihn gerne und bei jeder Gelegenheit an. Heute Morgen ist die Eingangstür verschlossen, auch mein Rufen nutzt nichts. Ich suche und finde den Personalraum und wecke einen von den „ kein Problem“ Burschen. So komme ich noch zeitig auf die Straße.

Blick zurück

Die Straße verläuft Flussabwärts aber folgt dann einen Nebenfluss fast bis zur Quelle. Konstant Kilometer um Kilometer windet sich die NH 44 nach Oben. Mein Darmproblem von gestern ist

Ein Eisenbahnwaggon auf der NH 44

Da frage ich mich wie der Fahrer das macht. Die Straße mit ihren sehr engen Kurven und oft wird sie zur Schotterpiste mit Schlaglöchern.

Ein wunderschönes Dorf im Tal .

Hinter jeder Kurve gibt es wieder einen neuen Ausblick zu bewundern. Da ich sehr oft angesprochen werde habe ich mir eine neue Taktik zurechtgelegt. Nach den üblichen zwei Fragen, wo her, und wohin, stelle ich die gegen Frage, wie viel Kilometer sind es noch bis zum Tunnel. Die Antworten liegen oft 30 km weit auseinander. Ich habe die Entfernung und Höhenmeter gestern noch gegoogelt.

Hier kauf ich die gelben Powerriegel in der umweltfreundlichen praktischen Aufreißverpackung, kurz Bananen genannt.

Am frühen Nachmittag beginnt es zu regnen und es hört nicht mehr auf. Zwei Kilometer vor dem Tunnel hält mich ein Mann mit Uniform an und meint ich solle mit in seine Hütte kommen. Nein Danke antworte ich, vorhin habe ich noch Tee getrunken und will weiterfahren. Da wird er aber energisch, zeigt auf sein Abzeichen auf dem Hemd. Von der Polizei sei er und er muss meinen Pass und das Visum sehen. Also gehe ich mit hinein wo seine Frau, Schwiegermutter und drei Kinder um einen Tisch sitzen. In der Ecke steht ein Ofen der mollige Wärme abstrahlt. Eine geschlagene halbe Stunde braucht er um die Daten vom Pass und Visum auf ein Formular zu übertragen. In zwischen Zeit verteile ich Bonbons an Frauen und Kinder was die Stimmung hebt. Endlich kann ich weiter und stehe vor dem Tunnel

Der Tunnel wird rund um die Uhr streng bewacht und Fotos sind nicht erlaubt. Der Tunnel wurde unter der Leitung der zwei Ingenieure Alfred Kunz und C. Barsel aus Deutschland von 1954 -1956 erbaut und ist 2.8 Kilometer lang und liegen auf 2200m Höhe. Die beiden Röhren haben Stahltore die Früher über Nacht geschlossen wurden. Heute ist er 24Std geöffnet. Die ganze Anlage sieht ziemlich runtergekommen aus, gelinde ausgedrückt.

Um 15:15Uhr bin ich in Kaschmir und habe kurz drauf einen schönen Blick auf das Hochtal im Regen. Der Bau des neuen Kaschmir Tunnel weiter unten hat schon begonnen und der Abraum der Bohrung verwandelt das sonst grüne Tal in eine Mondlandschaft.

Mit eiskalten Hände und tropfnass erreiche ich nach einer dicken Stunde Abfahrt das Dorf Verny wo ich im Hotel „ Green Mountain“ ein schlichtes aber sauberes Zimmer bekomme. Als ich am Abend die Daten an Ingo schicken will habe ich keinen Empfang.“ Kein Problem dann schicke ich sie Morgen.

Morgen sind es noch ca. 70 Km bis Srinagar

Tagesdaten: 74 Km /8:00 Std in Fahrt / 1716m Anstieg und 695m Abstieg bewältigt.

Mittwoch den 17.05.

Heute Morgen ist Stromausfall, gut dass ich alles dabeihabe. Also koche ich das Kaffeewasser auf dem Gaskocher und Frühstücke auf dem Bett.

Kein Tisch kein Stuhl aber das Bett ist hart genug um drauf zu Frühstücken

Da heute eine Kurzetappe auf der Hochebene anliegt lasse ich es ruhig angehen. Kurz vor acht Uhr rolle ich zur Stadt hinaus. Da es leicht nieselt habe ich die Regenjacke übergestreift, dazu kurze Hose und Radsandalen. Von der Landschaft sehe ich nicht viel vor lauter Baustellen und Militärkonvois. Auch an der Straße an Kreuzungen und öffentlichen Gebäuden stehen gepanzerte Fahrzeuge und Soldaten mit Langwaffen. Soviel Militär erinnert mich direkt an Pakistan 2011 und weckt in mir ungute Gefühle. Ich frage mich nur warum so viel Militär? Um den Erzfeind Pakistan abzuschrecken oder die separatistischen Bewegungen im Land in Schach zu halten?  In den Baustellen und an den Straßenrändern sogar in den Ortschaften sind große Schlammpfützen. Mein Rad und ich sehen dem entsprechend aus.

Ich bin auf der Straße der Kricketschläger

Kricket ist in Indien Volkssport No.1 und jeder Junge in Indien träumt davon mal Profisportler zu werden. Hier werden die Schläger hergestellt. Riesige Stapel mit Rohlingen sind zum Trocknen aufgestapelt. Ein Betrieb reiht sich an den anderen, rechts und links der Straße.

Besenbinder

Es scheinen mir Flüchtlinge oder Nomaden zu sein die in Zelten am Rand der Straße campieren und mit dem Herstellen und Verkauf von Besen ihren Unterhalt bestreiten.

Kurz vor Srinagar reihen sich die Steinmetze und kleine Shops welche die Produkte verkaufen aneinander. 13:00 Uhr bin ich mitten in Srinagar. Nach einem Imbiss suche ich das Hausboot auf dem ich die nächsten drei Nächte schlafen werde.

Der Lake Dal

Das Hausboot „Switzerland“

Um dort hinzukommen braucht man ein Boot. Dort reinige ich mit Hilfe eines jungen Mann und dem Vater des Eigentümers das Rad und die Radtaschen und beziehe mein Domizil.

Na sieht das nicht gut aus. Im eigenen großen Bad gibt es eine Badewanne und heißes Wasser. Das Internet scheint auch stabil zu sein. Da kann ich nur sagen: „Nee watt jeedet mich doch jood“

Tagedaten:  72Km / 4:45 Std.in Fahrt / 149m Anstieg und 244m Abstieg

Donnerstag den 18.05.

Der Muezzin ruft gerade zum Abendgebet und ich lasse den Tag Revue passieren. Hier am Dal See ist ein wunderschöner Platz um mal die Seele baumeln zu lassen.  Das Hausboot liegt zwar nur ca. 100m von der Straße vor Anker aber man ist hier in einer anderen Welt. Herrlich lässt sich das bunte Treiben auf dem See vom Balkon des Bootes beobachten.

Die Altstadt von Srinagar

Wie das aber immer an solchen Tagen ist müssen auch ein paar Dinge erledigt werden. Die Einkaufs Liste abarbeiten wo zum Beispiel Müsli und Flickzeug fürs Fahrrad draufstehen. Ein Verlängerungskabel brauche ich auch, da hier häufig die Steckdosen im oberen Drittel der Wand sich befinden.

Mittagspause auf dem Boot und die dritte und letzte Etappe der Indien Reise ausarbeiten mit Unterstützung von Google Maps. Radpflege muss auch sein, da entdeckt man schon mal eine Schraube die sich gelockert hat.

Der Dal Lake

Nachmittags spaziere ich die andere Seite des Lake entlang

Ein Boot schöner als das Andere

Blinder Passagier

Sahil & Fahat

Seit gestern habe ich auch zwei neue Freunde hier, es sind die Söhne Sahel und Fahat vom Eigentümer des Hausboot „ Switzerland“ dass ich nur empfehlen kann.

Freitag den 19.05.

Nach dem der letzte Teil der Wäsche auf der Leine hängt will ich mir die Ausmaße der Stadt von Oben anschauen. Dazu eignet sich am besten der Shaukaracharya Hill der sich gegen über dem Hausboot erhebt. Im Internet habe ich gelesen, dass die Stadt ca. 1,2 Millionen Einwohner hat, die können ja nicht alle auf Hausbooten leben. Da ich keine Lust habe die sechs Kilometer die Straße hoch zu stiefeln nehme ich mir ein Tuk-tuk das mich bis oben bringt. Die Spitze ziert ein Hindu Tempel. (Fotografieren verboten) von hier Oben hat man den Überblick.

Der südliche Teil der Stadt

Die Hauptstadt von Kaschmir liegt am Dal Lake und am Jhelum River

Blick auf die Stad und den Dal See

Das weiße Boot in der Bildmitte ist mein Quartier bis Sonntag. (Mein Super Zoom an der Canon Power Shot macht es möglich)

Während der britischen Kolonialherrschaft hatte der Dogra Maharaja von Kashmir den Hausbau in dem Tal untersagt. In der Folge siedelten sich die Briten in Hausbooten am Dal-See an.

Nach der Unabhängigkeit Indiens wurden diese Hausboote weiterhin von den Einheimischen genutzt und großenteils zu Touristenunterkünften ausgebaut.

Der Ginster blüht goldgelb am Straßenrand und auf dem Weg nach unten laden noch viele schöne Aussichtspunkte zum Rasten ein.

Das erinnert mich ein wenig an Italien und das Mittelmeer

Soviel frische Luft macht hungrig was hier kein Problem ist denn jedes Zweite Haus an der Promenade ist ein Hotel, ein Restaurant oder Beides. Als unangenehm finde ich es dauernd angequatscht zu werden ob man Taxi, Tuk-tuk oder mit dem Boot fahren möchte. Manche lassen nicht locker auch nicht nach dem Dritten „Nein Danke“ da kann ich auch schon mal unhöflich werden.

Am Gate No.12 setze ich über zum Hausboot.

Fährmann hol über

Gerade noch rechtzeitig vor dem aufziehenden Gewitter bekomme ich die Bremsen an meinem Norwid justiert. So kann ich den Routenplan für den dritten und letzten Teil der Indien Reise fertigstellen.

 

Die Beschreibung vom Dritten und Letzten Teil der Indien Reise, damit ihr auch wisst wo es langgeht.

Start von JAMMU den 14.05.17 bis zum 29.06 in DELHI

Von Jammu über Chenani, Ramban,Vernay nach Srinagar ( 299 Km)

Drei Tage Pause in Srinagar am Lake Dal

Am 21.05. von Srinagar über Sonamarg nach Drass

Ein Tag Akklimatisierung

Von Drass nach Kargil

Ein Tag Akklimatisierung

Von Kargil über Saraks, Lamayuru bis Uleytokpo

Ein Tag Besichtigung Buddh. Kloster Rizong Gompa

Von Uletokpo über Nimmo nach Leh ( 422Km)

In Leh vier Tage Pause

Am 06.06.17 von Leh über Upshi, Rumtse, Debring, Pang, Sarchu, Bharratpur,

Jispa, Kelong nach Manali. (522 Km)

Wenn ich richtig gezählt und alles so klappt wie ich mir das gedacht habe, das Wetter mitspielt, habe ich in Manali 14 Pässe seit Tammu bewältigt. Einige gehören zu den höchsten befahrbaren Pässen der Erde, außerhalb von Tibet.

Nach drei Ruhetagen in Manali am 21.06. Kurbel ich die ca. 600 km zurück nach Delhi.

Das ist die Route und grobe Zeitplanung die sich immer noch ändern kann.

Samstag den 20.05.17 Heute feiert meine Tante Marianne ihren 93. Geburtstag

Letzter Tag am wunderschönen Dal Lake. Nach dem Frühstück bei strahlenden Sonnenschein nehme ich an meinem Rad noch den fälligen Ölwechsel beim Rohloffgetriebe vor. Anschließend fahre ich mit dem Tuk-tuk in die Altstadt um mir vor allen Dingen die berühmte Jami Masjid Moschee und den Rozabal Schrein an zu schauen.

Der Rozabal Schrein

1908 behauptete Hazrat Mirza Ghulam Ahmad der verheißene Messias und Mahdi der Endzeit zu sein und dass Gott ihm mitgeteilt habe, Jesus von Nazareth sei unter dem Namen Yuz Asaf in Srinagar begraben worden. Diese These ist in der esoterischen Literatur seither mehrmals aufgenommen worden und in der Stadt befindet sich der Rozabal-Schrein, der als Grab Jesu Christi bezeichnet wird. Wenn das so wäre würde es die christliche Welt erschüttern.

Die Jami Masjid Moschee

Das ganze Viertel um die Moschee ist vom Militär abgeriegelt. Mit dem Tuk-tuk komme ich nicht bis an die Moschee. Aber so schnell gebe ich nicht auf. Alleine und zu Fuß mache ich mich auf den Weg um vielleicht noch eine Möglichkeit zu finden in die Moschee zu kommen. Bis an das Eingangstor komme ich das ist aber verschlossen. Berühmt ist diese hölzerne Moschee vor allem wegen seiner mehr als 300 Säulen, die das Dach tragen. Jede einzelne wurde aus einem ganzen Stamm eines Deodarbaumes gefertigt. Die heutige Moschee mit ihrem grünen und friedlichen Innenhof wurde dem Original nachgebaut, nachdem sie 1674 durch ein Feuer zerstört worden war. Der Rückweg führt mich durchs Handwerker Viertel.

Ein Kupferschmied bei der Arbeit

Eine kleine aber feine Moschee

Zurück am Dal See kann ich in der Ferne die schneebedeckten Gipfel der Berge erkennen.

Genug der Besichtigungen und des Relaxens, jetzt wird es Zeit wieder aufs Rad zu steigen morgen ist es so weit. Ich freu mich drauf.

 

Sonntag den 21.05Der Chef bringt mich persönlich mit dem Boot rüber zur Uferstraße, so dass ich um 6Uhr 30 in die Pedale steigen kann, doch nach zwei Kilometer geht es nicht weiter, denn das Militär hat eine Straßensperre errichtet. Der Offizier erklärt mir das in der Stadt eine Großdemonstration der Muslime stattfindet. So muss ich wieder zurück und einmal um den Dal Lake Pedalen, was zwar für mich ein Mehr von 12 Km bedeutet, aber es ist ein wunderschöner Umweg.  Still ruht der See  Der Fische und seine Frau, Butje Butje in de See Nach 17 Km bin ich wieder auf meiner ursprünglichen Route im Norden von Srinagar angelangt. Die Stadt liegt übrigens auf dem gleichen Breitengrad wie die Städte Damaskus in Syrien und Fees in Marokko. Natürlich war ich auch dort auch schon mit dem Velo auf Tour, aber jetzt bin ich noch im Kaschmirtal das unter anderem berühmt ist für seine Früchte, Nüsse und für seinen Safran.  Ziele braucht jeder und das sind meine für die nächsten Tage. Die N1D, die auch Beacon Highway genannt wird führt durch malerische, satt grüne Landschaften wo auch noch bei einer Höhe von 2300m große Laubbäume wachsen.   Zur zweiten Pause die ich mache, finden sich schnell wieder ein paar Schaulustige ein und mich ein Loch in den Bauch fragen, dabei habe ich doch Hunger.  Sie sind stolz auf ihr Kashmir und das zu recht Jetzt habe ich nur noch 13Km vor mir aber die haben es in sich. Die Berge Rücken jetzt eng zusammen und die Scheefelder von den steilen Hängen reichen bis in den reißenden Gebirgsbach der neben der Straße einher fließt.   Zum Schluss steigt die Straße noch mal kräftig an und da kommen auch schon die ersten Hotels der Stadt Sonamarg. Ein richtiger Touristen Ort von wo sich lauffaulen Inder auf dem Rücken eines Pferdes bis zum nahen Gletscher bringen lassen, ein Selfi machen und dann essen gehen.   Ich fahre durch bis zum eigentlichen Ort und finde schnell eine Bleibe für die Nacht. Ein großes helles Zimmer mit Blick auf die Berge, mit Bad und heißem Wasser. Internet gibt es hier nicht und mein Handy hat auch keinen Empfang. Hier funktioniert nur C-Tell sagt man mir, vielleicht Morgen wieder in Dras. „Inschallah“Montag den 22.05.Als der Muezzin zum Morgengebet ruft sitze ich schon bei einem Becher Kaffee und einem Teller Müsli. So kann ich schon kurz vor sieben Uhr bei 10 Grad den neuen Rad Tag beginnen. Kleiderordnung heute Morgen: Unterhose, Short, T-Shirt ohne Arm darüber Langarm-Shirt, Weste, Wollsocken und die Radsandalen.   Eine grandiose Landschaft, um diese zu beschreiben finde ich nicht die richtigen Worte und das Foto lässt nur erahnen wie es in Natura wirklich aussieht. Ich danke Gott, Allah, Buddha und allen Hindu Göttern für dieses fantastische Erlebnis, aber vor allen Dingen meinen Eltern das sie mich mit so guten Genen aus gestattet haben das ich diese Reise noch machen kann. Zuerst geht es noch auf guter Teerstraße dem Pass entgegen doch das ändert sich schlagartig als ich das Baltal erreiche. Ab hier verläuft in unzähligen Serpentinen, die zum Schotterweg gewordenen Straße den Berg hoch.    Die Bäume sind verschwunden und der Weg ist steinig und die schroffen Felsen ragen senk recht in den Himmel.   Blick aus 3300m zurück auf das Baltal bevor ich auf die Hochebene komme wo sich noch die Schneemassen rechts und links der Straße auftürmen.  Auf der Hochebene liegt der Schnee Haushoch Es ist 12Uhr als ich als ich den Zoji Pass 3529m ü NN. erreiche. Hier sind Zelte aufgebaut, wo man an bunten Plastik Tischen und auf Stühlen sich bei heißem Tee einen Imbiss zu sich nehmen kann.  Das Thermometer zeigt 5 Grad plus an Ich bestelle mir eine Portion Veg. Nudel und ein Omelett zum Tee. Hier kann man mit Motorschlitten eine Fahrt auf der Hochebene machen oder mit Ski oder Rodel auf sulzigen Schnee die seichten Hänge hinab rutschen. Nach dem ich mich gestärkt habe ziehe ich die Regensachen an weil es zu regnen beginnt.   Der Weg wir immer häufiger zum Bach oder gar zur Seenplatte, erst bei Beginn der Region Kargil bekomme ich noch mal ein Stück Asphalt unter die Reifen. Hier muss ich auch an einem Checkpoint Ausweis und Visa vorlegen und kann mich bei einer Portion Reis und heißem Tee stärken für die letzten 25 Km. Nach ein paar Kilometer wird aus der Teerstraße eine holprige staubige Piste, dafür ist es jetzt 12 Grad und ich kann mich der Regen Sachen entledigen. Am nächsten Bach befreie ich diese vom Matsch und Dreck und klemme sie zum Trocknen hinten auf den Packsack.   Der Schnee ist fast verschwunden und unter ein strahlend blauer Himmel radele ich bis zum Ort Dras meinem Ziel für heute. Hier bekomme ich im ersten Hotel mitten im Ort ein so großes Zimmer mit Bad und Warmwasser, so das ich das Rad mit hinein nehmen kann. Beim Abendessen treffe ich ein Australisch Kanadisches Paar die mit dem Motorrad unterwegs sind. Sie berichten dass die Strecke von Leh nach Manali noch gesperrt ist. Aber ehe ich dort bin werden die Pässe auch dort wohl offen sein. Morgen bleibe ich noch hier zum Akklimatisieren und ich werde versuchen meine Berichte und Fotos im Internet Shop abzusetzen. Tagesdaten: 68 Km /7:45Std im Sattel / 1307m Anstieg 819m Abstieg bewältigt. Aktuelle Höhe 3109m

Dienstag den 23.05.

Heute Morgen ist wieder Stromausfall, so koche ich das Kaffeewasser auf dem Gaskocher. Mit Butterbrot und Kaffee mache ich es mir auf dem Bett gemütlich und schreibe den Report von Gestern fertig. Halb Zehn bin ich im Internet Shop aber dort kriege ich auch keine Verbindung. Der junge Mann meint ich solle doch gegen Mittag noch mal vorbeischauen. Die Zeit nutze ich um mir bei einem ausgedehnten Spaziergang die Stadt Dras von oben anzuschauen.

Dafür wandere ich auf den nächsten Hügel außerhalb der Stadt

Dras soll im Winter zweit kälteste bewohnte Stadt außerhalb von Sibiriens sein minus 52 Grad. Im Moment habe ich hier angenehme 22 Grad Plus.

82 73          

Auf dem Weg zurück in die Stadt                           Eine schöne Moschee

Um 13:00 Uhr stehe ich wieder im Internet Shop auf der Matte und siehe da ich bekomme eine stabile Leitung und kann die Daten von den letzten zwei Tagen an meinen Sohn Ingo schicken. Morgen fahre ich nach Kargil das wieder unter 3000 Meter liegt.

Mittwoch den 24.05.

Es ist sieben Uhr und der Tachometer zeigt schon 5 Kilometer an. Auf Arschglatter Teerstraße pedale ich den wilden Dras River entlang talwärts.

Mal fahre ich direkt am tosenden Flusslauf entlang. Dann wieder, wenn das Tal zu eng wird,steigt die Beacon Highway an, so das der Fluss von oben wie ein Bach wirkt.

Blick zurück

Jetzt bin ich an der “ Line of Control“ die Waffenstillstandlinie von 1949 zwischen Indien und Pakistan hier trennt nur der Fluss die verfeindeten Atommächte. Nördlich von Leh liegt seit 1962 von China besetztes Gebiet, daher sind hier große Kasernen und lange Militärkonvois häufig zu sehen.

Umso näher ich der Bezirksstadt Kargil komme umso grüner wird es. Das junge zarte Grün der Pappel, Weiden und Aprikosen Bäume, vor den in sämtlichen Brauntönen schimmernden Bergen und unter einem azurblauen Himmel, das ist einfach "Radtraumhaft".

Jetzt sind es nur noch ein paar Kilometer und ich rolle durch die quirlige Stadt Kargil mit Oasen Charakter die schon in der Provinz Ladakh liegt.

Nach einer Stadtrundfahrt mit dem Rad finde ich bei der zweiten Besichtigung die passende Bleibe im Hotel Ziachen.

Die Neue Front passt wie Faust auf Auge zum Altbau mit der schönen Holz Verkleidung

Nach dem ich mich eingerichtet habe und die Wäsche auf dem Laubengang vor meinem Zimmer zum Trocknen hängt, mache ich den ersten Spaziergang durch die Stadt.

Diese alte Handelsstadt hat ihre schiitische             Urige kleine Läden    

Kultur bewahrt und betrachtete bis zu seinem Tod

Ayatollah Khomeini als ihren Geistigen Führer.

Auf dem Markt kaufe ich Tomaten, Zwiebel und eine Gurke und mache mir später einen frischen Salat.  Das reicht aber nicht um meinen Magen zufrieden zu stellen. Im hauseigenen Restaurant esse ich mir ein Vegetarisches Curry mit Reis und zum Nachtisch gibt es natürlich eingemachte Aprikosen. Was mich besonders gefreut hat an diesem Nachmittag war der Anruf von meinem Lieblings Sohn Ingo.

Morgen werde ich mir Kargil genauer anschauen.

Tagesdaten: 60 Km / 4 Std in Fahrt / 673m Anstieg und 960m Abstieg aktuelle Höhe 2700müNN.

Donnerstag den 25.05    Vatertag in Deutschland

Gestern habe ich noch versucht die Daten der letzten beiden Tage zu verschicken aber die Leitung über Airtel Hotspot ist einfach zu schlecht. In der Nacht und heute Morgen geht auch nichts. Da werde ich es im Internet Shop versuchen.

Die Vatertag- Radtour fällt dieses Jahr aus. Heute ist noch mal ein Akklimatisierungstag, denn die nächsten Tage stehen zwei Pässe an. Der Namika La Pass 3760m und der Fotu La Pass mit 4108m Höhe über dem Meeresspiegel.

Wie gewohnt klettere ich auf den nächsten Hügel um mir einen Überblick zu verschaffen.

Dafür muss ich aber über die Brücke und auf die andere Flussseite.

Der Kleine nimmt hier oben ein Sonnenbad

Genauso wie ich warten diese Lkw-Fahrer auf die Weiterfahrt

Auf der Straße geht es Morgen weiter Richtung Leh

Ich habe mehrere Leute gesprochen um heraus zu finden wie der Zustand der Straße ist. Alle haben gesagt: gute Straße. Einer sprach von einem Stück Piste von 10 Km, sonst gute Asphaltstraße. „Schauen wir mal“ wieder große deutsche Philosoph zu sagen pflegte. Von mir aus kann es losgehen mein Norwid scharrt schon mit den Hufen.

Um 19 Uhr gehe ich noch mal zum Internet Shop, letzter Versuch, vielleicht bekomme ich die Berichte und Fotos ja doch noch verschickt.“ Inschallah“

Freitag den 26.05.

Um es mal vorweg zu nehmen, das schwierigste vom Tag war aussuchen der Bilder. Von 50 gemachten Fotos nur zehn Bilder für die Seite heraus zu suchen ist schon nicht so einfach. Die Landschaft veränderte sich rasant und an Fotomotiven mangelt es auch nicht.

Der Radtag beginnt sonnig mit 12 Grad um kurz nach sechs Uhr. Von der ersten Kurbelumdrehung an steigt die Straße an. Einen letzten Blick in das Tal und auf Kargil und schon bin ich auf einer Hochebene, wo im Terrassenanbau jeder Fleck Erde landwirtschaftlich genutzt wird.

Die A1 wird zur Pappelallee und das in 3000m Höhe

Dann wieder zwängt sich der Beacon Highway, wie die A1 auch genannt wird, durch eine enge Schlucht.

Eine Baustelle verwandelt die Straße in eine staubige Schotterpiste die aber nur sechs Kilometer mir das Fahren erschwert. Kurz drauf treffe ich auf dem Highway die Monks wie sich die drei Biker aus Indien nennen. Blog: www.highwaymonks.com sie fahren auch nach Leh und dann runter nach Manali. Sie meinten auch das bis dahin die Straße offen ist.

Das werden heute aber nicht die letzten Motor-Biker sein mit denen ich spreche. Auch eine Gruppe aus Tschechien treffe ich, die das Gleiche vorhaben.

Heute Morgen war ich noch in dem stark muslimisch geprägten Kargil dann schon nach 40km ändert sich das Bild total, ich sehe Gebetsmühlen, Stupas und offene freundliche Menschen grüßen mich. Der Gruß Namaste wird von Juley abgelöst und wird sehr vielseitig verwandt. Hallo, Guten Tag, Wie geht es, Auf Wiedersehen.

Eine Gebetsmühle, jeder der vorbei kommt dreht die Mühle im Uhrzeigersinn und bei jeder Umdrehung schlägt eine Glocke an.

Ein Ladakhanese

Stupas wie gemalt

Der kleine Ort Mulbekh kann mit einem sieben Meter hohen in Stein

gemeißelten Buddha aufwarten

Berge wie Rührteig

Fünf Kilometer unterhalb vom Pass werde ich noch von einem Hagelschauer erwischt, besser als Regen. Der Hagel prallt an mir ab und schmilzt auf dem warmen Asphalt. Eine viertel Stunde und der Spuk ist vorbei. Als die Sonne wieder scheint kann ich zusehen wie die Straße abtrocknet.

Mal ein schönes Passfoto

Um 14:10 nach 55 Km erreiche ich die Passhöhe mit 3834müNN. Für die Abfahrt hinunter ins Tal ziehe ich mir die Regenjacke an als Windschutz. Kurz vor dem Ort Budhkharbu steigt die A1 wieder an

Im Ort Budhkharbu, der fast nur aus Militär Camps besteht, soll es ein Guesthouse geben hatte man mir in Kargil gesagt. Ich frage einen Vermessungsingenieur nach der Unterkunft, er sagt die kommt noch in ca.10 Km left. In einem Militär Cafe, ein paar hundert Meter weiter, stärke mich für die letzten zehn Kilometer. Dort frage ich auch nochmal nach einem Zimmer und ein Mitarbeiter spricht von einem Guesthouse welches 500 Meter entfernt auf der rechten Seite liegt. Und zu meiner Freude steht hinter der nächsten Kurve wirklich ein keines Gästehaus mit Restaurant. Hier bekomme ich ein einfaches Zimmer und am Abend eine gute Mahlzeit.

Internet Fehlanzeige, mein Handy hat auch keinen Empfang

Tagesdaten: 74Km / 7:30 Std. in Fahrt / 1610m Anstieg und 624m Abstieg bewältigt.

Samstag den 27.05.17

Da heute nur 35Km auf dem Plan stehen, trete ich erst um sieben Uhr in die Pedale. Die Sonne ist schon um sechs Uhr da und ihre Strahlen wärmen mich. Die Temperaturunterschiede von Sonne und Schatten sind enorm.

Blauer kann ein Himmel nicht mehr sein

Nach 7 Km sehe ich das Schild Touristen Bungalows auf der linken Seite. Von hier sind es noch 11 Km bis Passhöhe. Eine gute NH 1 schlängelt sich den Berg hoch. Gut fahrbar für einen alten Mann mit viel Gepäck.

Immer wieder tun sich neue Einblicke auf

Obwohl ich noch nicht einmal die Hälfte der Himalaya Rundfahrt hinter mir habe kann ich jetzt schon sagen “ Es ist die schönste und abwechslungsreichste Hochgebirgsstrecke die ich bis her gefahren bin“ 

Blick zurück fast von der Passhöhe aus

Bei 4112m ü. Meeresspiegel liegt der Fotula Pass

Es ist sehr windig und nur 10 Grad hier oben also mache ich mich, als ich mich satt gesehen und einen Jauchzer ausgestoßen habe, auf den Weg nach unten. Die Abfahrt ist fantastisch eine Serpentine nach der Anderen. Die Berge in Braun bis Ocker sehen wie verzaubert aus.

Der dramatische Schlusspunkt der 16 Km langen Abfahrt ist der Ort Lamayuru mit eines der größten und ältesten Klöster Ladakhas.

Das Lamayuru Kloster

Die erste Unterkunft die ich mir anschaue ist genau richtig und buche zwei Übernachtungen. Das sieht gut aus Italienische und Chinesische Küche genau richtig für einen Nudelfreund wie mich.

Tagesdaten: 35Km / 3:40 Std.in Fahrt / 684m Anstieg und 693m Abstieg / Aktuelle Höhe 3513m

Sonntag den 28.05.

Besichtigung vom Dorf Lamayuru das sich an den Steilhang schmieg als wolle es Schutz im Schatten des Klosters suchen das oben auf dem Felsen thront. Im Dorf gibt es weder Straßen noch Asphalt. Nur schmale und meist steile Erdwege.

Lamayuru unterhalb vom Kloster                               Wie eine Festung thront das Kloster auf  

                                                                             dem Steilhang

Ich folge einem Mann der auch zum Kloster (Gompa) will auf einem steilen Trampelpfad bis zum Kloster. Direkt neben an ist ein Hotel welches im gleichen Stil und Aussehen wie das alte Kloster errichtet wurde. Wenn nicht ein Schild Hotel dran stehen würde, könnte man meinen es gehöre zum Kloster. Das Lamayuru Kloster war im 16 Jahrhundert Hauptsitz des Kargyüpa –Ordens. Entlang von Gebetsmühlen komme ich zum Haupttempel den man im Uhrzeigersinn umrundet. Man beginnt mit einer mannshohen Gebetsmühle die kleinen sind in der Wand eingelassen.

Teil vom Tempel

Pilgerin

Man sollte schon die Menschen Fragen, wenn man sie fotografieren will und meist bekommt man auch eine positive Antwort.

In der Bibliothek wo hinter Glas alte Bücher lagern sitzt ein Mönch und rezitiert Gebetstexte.  Hier wo die heiligen Statuen stehen ist fotografieren nicht erlaubt. Im Nebenraum wage ich es dann doch ein Foto zu machen. Nach dem ich das Kloster wieder verlassen habe steige ich hoch zu einem kleinen Tempel, bei uns würde man sagen „ e Kapellke“ weil man  von dort oben einen wunderschönen Blick auf die Klosteranlage hat.

Auf dem Weg runter komme ich wieder durchs Dorf und hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Wenn überhaupt, dann nur ganz selten auf meiner Radtour um die Welt hatte ich bisher das Gefühl wie hier in einer ganz anderen Welt zu sein.

Ein urtümliches Dorf

Hier geht es Morgen weiter 

Das Foto habe ich vom Dach des Klosters gemacht

Montag den 29.05.

Die Straße führt von Lamayuru (3513m) in etlichen Serpentinen den Hangroo Loops ins Tal und überquert bei Khalsi (2987m) den Fluss Hindus, den ich schon mal 2011 in Pakistan überquert habe.

Direkt bei bei Lamayuru beginnt das Moonland wo auch ein Schild drauf hinweist. Da ich halb sieben starte, ist die Sonne noch zu tief um die Szenerie ins rechte Licht zu setzen. Vom Wasser geformte Sandsteintürme wie ich sie in Kappadokien schon gesehen habe.

Dann zwängt sich die NH 1 in etlichen Serpentinen durch enge Schluchten bis sie auf das Hindus Tal trifft, wo sie  kurz vor Khalsi über die Brücke den Hindus passiert.

Nach dem ich den hübschen Ort Khalsi passiert habe, ändert sich die Landschaft fast hinter jeder Kurve. Der Highway folgt dem Hindus flussaufwärts. Der Ort Nuria ist eine grüne Oase in dem Steinmeer. Einige gepflegte Home Stays und Hotels haben sich hier angesiedelt.

Stupas in Nuria

Nach drei Stunden im Sattel und das ständige auf und ab haben die Kalorien wegschmelzen lassen. So lege ich eine Teepause ein.

Da ich gestern eine Büchse Tunfisch ergattern konnte belege ich damit mein erstes Brot. Dazu ein hartgekochtes Ei und Paneer, (ähnlich wie Feta Käse). Gestärkt pedale ich weiter bis zum Dorf Oletokpo von wo der Weg zum Rizong Gompa abzweigt. Hier wollte ich eine Nacht bleiben und mir das Kloster anschauen. Da es hier nur zwei Hotels und Resorts gibt, verlangen die 5000 - 8000,- INR. Das ist mir der Spaß nicht wert und ich pedale weiter. Immer wieder weisen Schilder auf Steinschlag Gefahr hin. Die Dellen in der Fahrbahndecke und die auf der Fahrbahn liegenden Steine sprechen für sich.

Wenn der dir auf den dicken Zeh fällt

Ein typisches Haus hier in Ladakh, mit den verzierten großen Fenstern

Ab dem Ort Saspol steigt die Straße an zum nächsten Pass, der aber auf der Karte nicht verzeichnet ist. Auf dem Weg nach oben treffe ich auch den, beziehungsweise, die erste Reise Radlerin. Die Malayin ist bis Leh geflogen da die Stecke Manali- Leh noch gesperrt war.

Dieser Pass sieht nicht nach 3560müNN.aus.

Irgendwann komme ich bei 3560m auf einer Hochebene an. Schon wieder eine Fassette, dieser so vielseitigen Landschaft. Lange dauert es nicht und aus der Wüstenlandschaft wird wieder eine steile Abfahrt die bis zum Ort Nimmo (3158m) führt.

Kurvenreiche Straße mit tollen Ausblicken

Alte Klostergemäuer

Eingang zum Militär Camp

Vor Ort Nimmo, ca. 40 km vor Leh, liegt ein riesiges Armee Lager. Direkt im Anschluss kommen ein paar Läden und ein Guesthouse wo ich für eine Nacht einchecke.

Hier steht in großen Lettern FREE WIFI aber da Stromausfall ist und ein Stromaggregat nur für die Notbeleuchtung sorgt ist nichts mit Internet.

Tagesdaten: 81 Km / 6:45 Std im Sattel / 1041m Anstieg und 1335m Abstieg bewältigt.

Dienstag den 30.05.

Da nur 40 Km und ein Pässchen auf dem Programm für heute stehen, habe ich mir eine Mütze mehr Schlaf gegönnt und steige erst um halb acht Uhr in den Sattel

Bei blauen Himmel und Sonnenschein pedale ich direkt den ersten Pass hoch der auch nicht in der Karte verzeichnet ist. Von Nimmu (3125m) geht es in einem Rutsch hoch auf 3568m wo ich nach 105 Kurbel-Minuten ankomme.

Blick zurück aus 3500m runter auf Nimmu mit seinem riesigen Militär Lager

Es folgt eine schöne Abfahrt wo ich mal meinem Norwid freien Lauf lassen kann. Im Tal bei 3217m angekommen treffe ich auf einen alten Bekannten, den Hindus. Ab hier geht es auch schon die letzte Steigung zur Stadt Leh hoch die auf 3500 m liegt.

Das Spituk Kloster hoch über dem Indus kündigt die Hauptstad Ladakhs an

Wieder ein Etappenziel erreicht wo ich mir ein paar Tage Pause gönnen werde.

Bevor ich mich auf die Suche nach dem Guesthouse „Skyland“ mache, verschaffe ich mir einen ersten Eindruck von der Altstadt.

In der Altstadt von Leh wo hoch oben der alte Königs Palast thront.

Das Guesthouse was ich mir im Internet rausgesucht habe liegt sieben Gehminuten von der Altstadt entfernt, das perfekte Quartier für mich.

Mein schönes Zimmer für die nächsten Tage.

Das Zimmer ist geräumig und hat zwei große Fenster. Im Bad gibt es fließend warmes und kaltes Wasser. Das Internet funktioniert auch, was will ich noch mehr.

Mein Ausblick vom Dach

Jetzt muss nur noch die Strecke nach Manali freigegeben werden damit ich   spätestens am 05.06. losfahren kann, dann bin ich Happy.

Tagesdaten: 40 Km / 4:30 Std.im Sattel / 837m Anstieg und 451 Abstieg geschafft.

Mittwoch den 31.05.

Der letzte Tag des Monats ist für mich der erste Ruhetag in Leh. Der Tag ist ausgefüllt mit Streifzügen durch die Stadt. Dabei kaufe ich ein, sammle Informationen über die Strecke Leh- Manali und erledige kleinere Reparaturen.

Den heutigen Tag widme ich mal all denen die mir hier in Kaschmir und Ladakh begegnet sind. Offene hilfsbereite Menschen die nie aufdringlich wurden. Die Fotos sind auch stellvertretend für all die anderen die nicht abgelichtet werden wollten.